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Zeugen für Christus und Maria

Prälat Moll referierte über marianische Blutzeugen der NS-Zeit

Auf Einladung des Fatima-Weltapostolates in der Diözese Münster unter Leitung von Sonja M. Kaufmann und Irmgard Greive fand am 30. September 2017 im Marienwallfahrtsort Telgte ein Vortrag statt. Prälat Prof. Dr. Helmut Moll aus Köln stellte verschiedene Zeugen für Christus vor, die in der NS-Zeit ihren Glauben mit dem Tod bezahlt hatten. Auch im Bistum Münster lebten verschiedene Priester und Laien, die ihr Leben Christus und Maria hingegeben haben.

Prälat Moll erzählte, wie er von der Deutschen Bischofskonferenz den Auftrag bekam, dem Wunsch des Papstes gemäß ein deutsches Martyrologium für das 20. Jahrhundert zu erarbeiten. Als Prälat Moll dem polnischen Papst, dem die Versöhnung mit den Deutschen sehr am Herzen lag, schließlich die erste Auflage mit 720 Lebensbildern deutscher Märtyrer des 20. Jahrhunderts übergeben konnte, sei der Papst so ergriffen wie selten gewesen. Er habe bekannt: „Die Deutschen waren nicht nur Täter, sie waren auch Opfer.“ Inzwischen ist das deutsche Martyrologium in der sechsten Auflage erschienen. Prälat Moll konnte diese sechste Auflage, in der nahezu 1000 Glaubenszeugen des letzten Jahrhunderts aufgenommen sind, persönlich an Papst Franziskus überreichen. Drei Kriterien, so Prälat Moll, gibt es für die Bezeichnung als „Märtyrer“: Erstens müsse die Person eines gewaltsamen Todes gestorben sein; sie müsse Zeugnis für den christlichen Glauben gegeben haben und zu Lebzeiten die Bereitschaft gezeigt haben, für den Glauben auch zu sterben.

Über den seligen Karl Leisner (1915-1945) berichtete Pfarrer Hans-Karl Seeger aus Billerbeck, der 1936 in direkter Nachbarschaft zum Elternhaus Karl Leisners geboren wurde. 16 Jahre leitete Pfarrer Seeger den Internationalen Karl-Leisner-Kreis. „Christus, du bist meine Leidenschaft“, bekannte Karl Leisner als Jugendlicher in seinem Tagebuch. Karl Leisner war erfüllt von einer Liebe zu Christus, dem König, doch auch seine Marienfrömmigkeit war ausgeprägt. Oft habe er eine Wallfahrt nach Kevelaer unternommen, wo Maria als „Trösterin der Betrübten“ verehrt wird. 1938 bekannte er: „Was hat mich Maria in den Jahren zu meiner Priesterweihe doch geführt.“ Der letzte Satz seines Tagebuches lautete: „Segne auch, Höchster, meine Feinde.“ Selbst im KZ Dachau, so Pfarrer Seeger laut Augenzeugen, habe er immer gelächelt, seine innere Freude bewahrt und andere damit angesteckt.

Irmgard Behnke, die Nichte des Priesters und Märtyrers Alfons Mersmann (1905-1945), sprach über die tiefe Marienverehrung ihres Onkels und seine Verbundheit mit Fatima. In schwerer Zeit, so bezeugte sie, suchte dieser Zuflucht in der Bibel und schöpfte besonders aus der Offenbarung des hl. Johannes die Kraft für sein Leben in einer verworrenen Zeit. Schließlich landete er im KZ Buchenwald und starb auf einem Todesmarsch. Die randlose Brille des Onkels ist heute noch im Besitz der Nichte und sie war zu Tränen gerührt, als sie diese den Zuhörern zeigen konnte.

Pfarrer Karl Borromäus Kramer (1881-1945) aus Niederbayern wurde als entschiedener Gegner des Nationalsozialismus angeführt. Ganz bewusst ging er als Regimekritiker in den Tod und sagte: „Jetzt opfere ich mein Leben auf für die Muttergottes von Fatima.“ Aus dem Gefängnis noch schrieb er an seine Pfarrgemeinde: „Wir sind alle Sünder und müssen Genugtuung leisten.“

Als Beispiel eines Märtyrers vom Niederrhein wurde der bekannte Schriftsteller und Philosoph Dr. Johannes Maria Verweyen (1883-1945) angeführt, der über 50 Bücher schrieb. Da er sich an der Botschaft von Lourdes stieß und nur die Vernunft als letztes Prinzip gelten lassen wollte, schrieb er ein eigenes Buch über Lourdes und trat am Ende, von Herzensgründen überzeugt, wieder in die Kirche ein. Aufgrund seiner offenen Regimekritik wurde er 1941 von der Gestapo verhaftet und kam später ins KZ Sachsenhausen, überstand bei dessen Evakuierung den 300 km langen Fußmarsch und starb schließlich im KZ Bergen-Belsen.

Die bekannteste Blutzeugin, die Prälat Moll vorstellte, war zweifellos die hl. Edith Stein (1891-1942), die auch den Ehrentitel „Patronin Europas“ trägt. Die Judenchristin und Karmelitin wurde gemeinsam mit ihrer Schwester Rosa Stein 1942 in das KZ Auschwitz transportiert und dort ermordet.

Dass nicht nur Hochgelehrte, sondern auch einfache Menschen bereit waren, aus Liebe zum Glauben ihr Leben hinzugeben, bewies etwa der Regensburger Lagerarbeiter Josef Zirkl (1875-1945). Dieser war z.B. durch eine Lourdesreise in seinem Glauben gefestigt worden und widerstand der NS-Ideologie mutig und überzeugt.

Aus der Schönstattbewegung wurden als Beispiele für Blutzeugen während der NS-Zeit die Volksschullehrerin Charlotte Holubars (1883-1944) und Maria Laufenberg (1910-1944) angeführt. Da Charlotte Holubars Schriften von Joseph Kentenich in ihrer Wohnung hatte, kam sie in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Sie lebte aus der Ganzhingabe an Gott durch Maria und sagte noch im KZ: „Wie Gott es will, er lenkt alles recht.“ Ähnlich lebte auch Maria Laufenberg aus der Lebensweihe an Maria und dem gänzlichen Überlassen in den göttlichen Willen.

Als ein Beispiel für marianische Märtyrer aus dem Pallottinerorden wurde Pater Franz Reinisch (1903-1942) angeführt. Dieser Priester verehrte Maria als dreimal wunderbare Gottesmutter und sah in ihr die Frau, die nach Offenbarung Kapitel 12 verheißen ist. Wenn wir auf sie schauen würden, so seine Zuversicht, könnte auch für die ganze Kirche wieder eine neue Blütezeit heraufziehen.

P. Augustin Benninghaus (1880-1942) von den Jesuiten habe aus den Exerzitien heraus gelebt und viele Jugendliche zu Maria geführt. Die Gestapo verhaftete den glaubenseifrigen Priester in Münster und brachte ihn in das KZ Dachau, wo er am 20. Juli 1942 verhungerte.

„Die Kirche muss heute wieder marianisch werden“, so das Plädoyer von Prälat Moll. „Die Kirche darf nicht nur verwaltet werden, sie muss aus dem Geist Mariens heraus leben. Marianische Spiritualität besteht aus dem Geist der Hingabe, nicht aus dem Geist des Anspruchs oder des Aktivismus.“ Auch sein eigener Glaube, so der Kölner Kirchenmann, sei durch die Märtyrer viel tiefer und stärker geworden; Märtyrer seien uns bis heute lebendige Vorbilder im Bekenntnis und im Mut.

 Die inhaltliche Grundlage des Vortrags von Prälat Moll bildete sein zweibändiges Hauptwerk „Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts“ (Paderborn, 6., erweiterte und neu strukturierte Auflage 2015, 1.828 Seiten mit zahlreichen Abbildungen)

100 Jahre Fatima

Am 13. Mai 2017 jährte sich die erste Erscheinung der Gottesmutter in Fatima zum 100. Mal. Aus diesem Anlass beging das Fatima-Weltapostolat der Diözese Münster diesen Tag festlich: Weihbischof Dr. Stefan Zekorn feierte im Kloster zum Guten Hirten in St. Mauritz ein Ponfikalamt. Danach ging es etwa 10 Kilometer zu Fuß in einer feierlichen Prozession mit Fahnen und der blumengeschmückten Fatima-Madonna nach Telgte. Dort wurde mit Propst Michael Langenfeld die Weihe an die Gottesmutter erneuert. Sonja Kaufmann und Irmgard Greive aus Sendenhorst hatten alles wunderbar vorbereitet. Die Fatima-Madonna war mit einem Meer von Blumen geschmückt; es kam auch die neue Fatima-Fahne mit den Seligen und Heiligen des Bistums Münster sowie eine kleine Kinderfahne zum Einsatz. Mit gut hundert Teilnehmern von vier bis 90 Jahren waren die beiden Organisatorinnen auch sehr zufrieden. Sie lobten die Träger der Madonnenstatue, die wirklich eine schwere Last 10 Kilometer lang auf ihren Schultern trugen und die Träger der Fahnen und des Lautsprechers; sie freuten sich über das gute Miteinander und das intensive Gebet auf der Wallfahrt.

In seiner Predigt würdigte Weihbischof Zekorn Fatima als einen der größten Wallfahrtsorte der Welt, den etwa vier bis sechs Millionen Pilger jährlich besuchen. In sehr persönlichen Worten schilderte er auch den 13. Mai 1981, den der Weihbischof als damaliger Student direkt in Rom erlebte. „Ich war der erste im Seminar, der das Papst-Attentat über Radio Vatikan, das ich gerade hörte, mitbekam. Wir versammelten uns gleich alle in der Kapelle und beteten den Rosenkranz“, schilderte er. Die Botschaft von Fatima sei v.a. eine Botschaft für den Frieden in der Welt. Papst Johannes Paul II. sei ein großer Förderer des Umbruchs im Ostblock gewesen und habe entscheidenden Anteil am Weltfrieden gehabt, schilderte Zekorn. Heute sei der Weltfrieden so bedroht, wie schon seit 1989 nicht mehr. In der Botschaft von Fatima ginge es besonders um den Gedanken der Sühne. Dieser Zentralbegriff des Glaubens sei heute oft nicht mehr verständlich; Sühne meine das Eintreten für andere, die Unheil angerichtet haben; es meine ein Leben in spiritueller Verantwortung für das Schicksal der Welt. Er verwies auf das Motto des Fatima-Weltapostolates „orbis unus orans“ und übersetzte die lateinischen Worte mit „Gebet eint die Welt“. Weihbischof Zekorn, der schon seit einigen Jahren intensiven Kontakt hat mit syrischen und irakischen Christen erzählte, dass die erste Bitte der verfolgten Christen nicht die Bitte um materielle Hilfe sei, sondern die Bitte um unser Gebet. Nur das Gebet, so der Weihbischof, könne eine Basis für den Frieden schaffen und Hass in Liebe verwandeln. Die Botschaft von Fatima sei eine Botschaft für den Frieden in der Welt durch das Gebet und das stellvertretende Einstehen für andere. Er schloss mit dem Appell: „Die Botschaft von Fatima ist so aktuell, dass man nur sagen kann: Aktueller geht es nicht!“

Nach einem Weihegebet an die Muttergottes von Fatima nach dem hl. Papst Johannes Paul II. setzte sich die Fußprozession in Bewegung. Angeführt von Kreuz, der Fatima-Madonna und Fahnen ging es die etwa 10 Kilometer lange Strecke nach Telgte. Unterwegs wurde für den Frieden in der Welt und für die Erneuerung der Kirche und um heilige Familien gebetet. Sonja Kaufmann betete gut verständlich über Lautsprecher auch in persönlichen Worten und erinnerte, einen Tag vor den Landtagswahlen in NRW, auch an das Gebet um gute Politiker. Sie verwies eingehend auf das Beispiel von Konrad Adenauer, der wichtige Entscheidungen immer erst nach dem Rosenkranzgebet auf den Knien getroffen habe und selbst auch Mitglied des Fatima-Apostolates gewesen sei. Nach gut vier Stunden kamen die Pilger in Telgte an. Propst Michael Langenfeld erwartete die Pilgerschar an der Kirchentür und feierte mit ihnen eine Andacht zum Abschluss des Fatima-Tages. Er erinnerte an den seligen Kardinal Clemens August Graf von Galen, der oft diese Strecke von Münster nach Telgte gegangen sei, um der schmerzhaften Muttesgottes seine Anliegen darzubringen. Propst Langenfeld munterte dazu auf, Maria in Freude, Dankbarkeit, Not oder Ratlosigkeit aufzusuchen. „Maria hat in Fatima ganz viel durch ihre Fürsprache bewegt und wird es weiterhin tun. Deshalb müssen wir uns ihr weiterhin anvertrauen“, mahnte er. Mit einem Weihegebet an die Gottesmutter schloss der Fatima-Tag. Timmy (9) ging die ganze Strecke zu Fuß mit. Es war seine dritte Fußwallfahrt. Er trug sogar anfangs das Kreuz und später den Lautsprecher. Über Fatima hat er auch schon einen Film gesehen. Jeden Monat dient er als Ministrant in den Herz-Mariä-Sühnesamstagen. Jacinta und Francesco von Fatima, die am selben Tag heilig gesprochen wurden, sind ihm und seinem Bruder ein großes Vorbild.

Fatima-Weltapostolat in der Diözese Münster

Sekretariat: Sonja M. Kaufmann und Irmgard Greive

Weststraße 19, 48324 Sendenhorst, Telefon  02526 – 9387738

 

Hier einige Termine aus dem vielfältigen Gebets- und Wallfahrtsangebot.

Ausführliches Programm und Informationen erhältlich im Sekretariat.

 

Am 13. jeden Monats – Fatima-Erscheinungstag

15.00 Uhr – ca. 15.45 Uhr Bartholomäus-Kirche, Einen (Nähe Warendorf)

Rosenkranzgebet in den Anliegen der Gottesmutter, Schlussgebet, Lied

 

Jeden 1. Mittwoch im Monat – Sühnegebetsstunden

14.00 Uhr – Heilig-Kreuz-Kirche, Münster, Hoyastraße/Kreuzviertel

 

Jeden 1. Donnerstag im Monat – Priesterdonnerstag

17.00 Uhr – ca. 17.45 Uhr Clemens-Kirche, Telgte

 

Jeden Freitag – Kreuzweg in den Anliegen unserer Zeit

14.00 Uhr – ca. 15.00 Uhr St. Josef-Stift, Sendenhorst

 

Jeden 1. Samstag im Monat – Herz-Mariä-Sühnesamstag

St. Ludgeri-Kirche, Innenstadt Münster (am 3.6.2017 Ausweichort, wird noch bekannt gegeben) 15.00 Uhr Rosenkranz, Heilige Messe, Beichtgelegenheit

Zur Schmerzensmutter von Telgte