Bericht eines Pilgers über die Fatima-Pilgerfahrt 2015

Seit meiner Kindheit zog es mich nach Fatima. Durch zunächst finanzielle, später berufliche Umstände war es mir lange nicht möglich, meinen Wunsch in die Tat umzusetzen. Nach meinem Ausscheiden aus dem Berufsleben gelang es mir, zweimal nach Fatima und einmal nach Lourdes zu fahren. Dies war also meine dritte Fatima-Pilgerfahrt.

Ich beschreibe hier ausschließlich meine ganz persönlichen Empfindungen auf dieser  Pilgerreise. Andere mögen ganz anders empfunden haben.

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Aus einer Kleinstadt in Norddeutschland reiste ich mit dem PKW an. Das Apostolat ermöglichte mir vor Ab- und nach Rückreise je eine Übernachtung in Petersberg, die sehr liebevoll vorbereitet waren.

 

Unter geistlicher Leitung von Herrn Pfarrer Thorsten Kremer pilgerten 13 Teilnehmer am 11. September nach Fatima, wo wir im Domus-Pacis-Hotel in unmittelbarer Nähe zum Heiligtum Unterkunft fanden.

 

Die Mitglieder der Pilgergruppe schienen sich zu einem großen Teil bereits zu kennen. Das Gefühl, Fremder zu sein, wurde mir aber schnell genommen. Auch als „Nordlicht“ fühlte ich mich voll akzeptiert.

 

In Vorbereitung auf die 100-Jahr-Feiern im Jahr 2017 wird zur Zeit in Fatima viel gebaut. Auch das Heiligtum bleibt davon nicht verschont. Im Außenbereich sind unübersehbar Arbeiten im Gange. Die  Basilika ist derzeit gesperrt. Lediglich ein Zugang zu den Gräbern der Seherkinder steht für die Pilger offen.

 

Die gegenüber der Basilika errichtete Dreifaltigkeitskirche mit mehr als 9000 Sitzplätzen, einer Reihe von Kapellen, Beicht- und Andachtsräumen ist sehr beeindruckend.

 

Sinn einer Pilgerreise nach Fatima ist die Anbetung des Herrn und die Verehrung seiner Heiligsten Mutter. So war es selbstverständlich, an den regelmäßigen Andachten, insbesondere am Rosenkranzgebet und an der Lichterprozession teilzunehmen. Wir hatten das Glück, täglich eine eigene Heilige Messe feiern zu können. Mehrfach in der Kapelle unseres Hotels, einmal sogar in der Erscheinungskapelle. An den internationalen Feierlichkeiten im Heiligtum am 12. Und 13. September nahmen wir selbstverständlich teil.

 

Schon die Teilnahme am abendlichen Rosenkranzgebet ging tl_files/fatima/Pilgerfahrten/2015/Bild Pilgerreise vom 11. - 16. Sept. 2015 Pfarrkirche in Alt-Fatima.jpgsehr zu Herzen. In den verschiedensten Sprachen wurde vorgebetet, auch unter Einbeziehung unserer Gruppe, und in allen vor Ort vorhandenen Sprachen – dominant natürlich portugiesisch – nachgebetet. Objektiv ein ungeheures Sprachengewirr und dennoch eine gemeinsame Sprache!

 

Während der Lichterprozession im Anschluss an den Rosenkranz erstaunte mich immer wieder die Disziplin, mit der die Hunderte und Tausende Menschen den Weisungen der Aufsichtspersonen folgten und dadurch den geordneten Ablauf der Prozession ermöglichten, obwohl das vorhandene Gewusel chaotisch erschien. Abend für Abend zogen die Pilger über den Platz. Nach der Vigilfeier am Sonnabend, dem 12. September, gingen allerdings Priester und Fahnenträger mit der Statue der Gottesmutter allein. Die sehr große Menschenmenge verharrte auf der Stelle und bildete eine breite Gasse für die ungehinderte Passage der Prozession. Die Lichter von Tausenden von Kerzen markierten die Standorte der Menschen. Den Refrain des über Lautsprecher in mehreren Sprachen übertragenen Fatimaliedes sangen alle inbrüstig mit. Ich muss gestehen, dass mir öfter die Stimme versagte, wenn beim „Ave Maria“ die brennenden Kerzen erhoben wurden und der Eindruck entstand, dass sich die Lichter verzehnfachten.

 

Nach Rückkehr in die Erscheinungskapelle jeweils zum Abschluss der Zeremonie stimmten die Anwesenden das „Salve Regina“ an.

 

Besondere Höhepunkte waren für mich die internationalen Feierlichkeiten mit Rosenkranzgebet in der Erscheinungskapelle und anschließender Heiliger Messe am Außenaltar vor der Basilika. Ich freute mich besonders, wieder das Gloria und Credo aus der Engelmesse mitsingen zu dürfen.

 

tl_files/fatima/Pilgerfahrten/2015/01D29278.pngEine Dame aus unserem Kreis fand sich nicht in der Lage, zu den Feierlichkeiten zu gehen. Es gelang, einen Rollstuhl zu organisieren und ein junger  Mann aus der Gruppe geleitete sie zum Heiligtum. Ich habe selten ein so glückliches, strahlendes Gesicht gesehen wie das dieser Dame. Auch die übrigen von uns, so weit ich sie sehen konnte, waren erkennbar bewegt.

 

Ebenfalls als besonderen Höhepunkt empfand ich den Umzug der Statue der Gottesmutter aus der Erscheinungskapelle zum Außenaltar und zurück, denn üblicherweise wird zu den Prozessionen eine kleinere Statue getragen.

Später hatten wir die Gelegenheit, die besondere Krone zu bewundern, in die das Projektil einge-

arbeitet wurde, das Papst Johannes Paul II. bei dem Attentat auf ihn getroffen hatte. Sie wird nur selten aus sicherer Verwahrung entnommen und krönt die große Statue der Muttergottes für die Heilige Messe an den Erscheinungstagen und wenigen anderen Tagen.

 

Touristische Aktionen im eigentlichen Sinne haben wir nicht unternommen, was mir gut gefiel. Wenn man überhaupt von Tourismus sprechen kann, dann allenfalls von unserem Gang nach Aljustrel, dem Heimatort der Seherkinder, nachdem wir den „Ungarischen Kreuzweg“ in Valinhos gegangen waren und die weiteren Erscheinungsorte in Valinhos besucht hatten, sowie unsere Fahrt zur Heimatkirche der Kinder in Alt-Fatima und zum dazugehörigen Friedhof, auf dem Francisco und Jacinta vor ihrer Umbettung in die Basilika im Familiengrab beerdigt waren.

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Wir genossen den Besuch der Ausstellung „Fatima – Licht und Frieden“ sowie die Ausstellung von Geschenken an die Heiligste Jungfrau, darunter hervorragende Kunstgegenstände, Votivgaben unter-

schiedlichster Art, Paramente, liturgisches Gerät und auch die vorstehend erwähnte kostbare Krone der Madonna mit dem eingearbeiteten Projektil.

 

Bewegend waren die Berichte zweier Mitarbeiter des Apostolates, Nuno und Ana, über ihre familiären Beziehungen zu den Seherkindern. Der Großvater Nunos hatte mit Francisco oft gespielt und bedauert, nie dabei gewesen zu sein, wenn die Gottesmutter erschien. Anas Großmutter trug als jüngere Cousine von Jacinta später deren weiße Bluse, die uns vom Foto der drei Kinder bekannt ist.

 

Zu schnell vergingen die Tage! Die vielen Portugiesen, die regelmäßig zu den Erscheinungstagen in großer Zahl anreisen, waren nach dem 13. September wieder abgereist, so dass nur wenige hundert Menschen verblieben. Am Vortag unserer Abreise regnete es. Zum abendlichen Rosenkranz drängte sich die relativ kleine Schar in der Erscheinungskapelle. Wegen des Regens wurde die Lichterprozession abgesagt. Nach den Schlussgebeten und dem „Salve Regina“ folgte noch ein längeres Nachspiel der Orgel. Mir kamen die eindringlichen Worte von Pfarrer Atzert (er ist deutscher Pilgerseelsorger in Fatima) in Erinnerung, mit denen er die besondere Beziehung Fatimas zu Deutschland deutlich machte, als ich zunächst meinte, mich verhört zu haben. Aber ich hatte mich nicht verhört. In ihrem Schlussteil spielte die Orgel fast komplett unsere Nationalhymne, danach einige Takte aus der britischen und dann noch einmal die deutsche. Wenn ich jetzt hätte mitsingen sollen – ich hätte es nicht gekonnt!

 

Josef Wehr