Der Weg der Kinder

Der Weg der Kinder (60 Seiten)

Die Muttergottes von Fatima und ihre Senioren.

Ein Zeugnis

Wie oft hören wir seit Jahren vom Pflegenotstand: Die steigende Anzahl von pflegebedürftigen und dementen Senioren in den Altenheimen und demgegenüber ein Mangel an guten Pflegekräften.

Wer aber spricht vom seelischen Notstand der Heimbewohner?

Nicht jeder hat das Glück in ein katholisch geführtes Heim mit Hauskapelle und priesterlicher Begleitung zu kommen. Und selbst wenn man in solch einem Haus untergebracht ist, heißt das ja noch lange nicht, dass man körperlich oder geistig in der Lage ist, z.B. die Kapelle aufsuchen zu können.

Aber der Himmel, so haben wir über die Jahre festgestellt, findet Mittel und Wege, unseren alten Menschen in ihrer seelischen Not beizustehen, selbst im Zustand von Demenz, bei dauerndem Aufenthalt im Bett oder im Rollstuhl.

 

Durch eigenes Erleben durften wir erkennen: Jesus und Maria können in den Herzen der alten Menschen wirken, selbst wenn diese bereits dement sind oder dem Glauben gegenüber früher nicht besonders aufgeschlossen waren.

Wir wollen unser Zeugnis beginnen mit unserem dementen Vater, der kein Beter war, der sich aber während seiner mehr als 5 Jahre dauernden Bettlägerigkeit zu einem „Lamm“ entwickelte – kein Wort der Klage kam über seine Lippen. Die Krankenkommunion empfing er höchst andächtig und schließlich überraschte er uns eines Tages damit, dass er, der Demente, die Familie zu segnen wünschte. Für uns ein wahres Wunder!

 

Eine demente Heimbewohnerin, die lebenslang ihren Glauben gelebt, die stets die Fatima-Tage und die Herz-Mariä-Sühnesamstage mitgefeiert hat, hatte ein Lieblingslied, das sie beinah bis zum Schluss gesungen hat. Immer und immer wieder sang sie „Großer Gott, wir loben dich!“ Und genau das meinte sie auch. In jeder Phase ihres Lebens, in Krankheit, Alter, Demenz. Noch zu guten Zeiten hatte sie sich der Muttergottes anvertraut und geweiht. Das war jederzeit spürbar. Da wir davon wussten, konnten wir sie in Zeiten der Demenz immer wieder an ihre Weihe erinnern, was sie jedes Mal mit Dankbarkeit und Freude erfüllte. Ganz erstaunlich war, dass sie trotz fortschreitender Demenz immer wieder Phasen hatte, in denen sie Glaubenswahrheiten kundtat. Ihr Leiden hatte sie, das wissen wir, ganz bewusst Jesus und seiner Mutter aufgeopfert, damit es recht fruchtbar werde. Im Fatima-Jubiläumsjahr konnten wir sie mit dem Besuch der Pilger-Madonna erfreuen.

Erstaunlich ist auch die Entwicklung bei einer Seniorin, die zwar eine äußerst gläubige, betende Mutter hatte, die selber aber vom Gebet nicht so recht was wissen wollte. Ihre Mutter versuchte, ihr den Rosenkranz schmackhaft zu machen, aber sie wehrte immer ab. Und so trat die Mutter alleine für die ganze Familie bei Gott ein und bat die Muttergottes vertrauensvoll um ihre Fürsprache.

Seit einigen Jahren tut sich aber etwas. Die alte Dame ist der Gebetsgemeinschaft vom „Lebendigen Rosenkranz“ beigetreten, wo jeder Beter täglich ein bestimmtes Gesätzlein betet. Durch ihre Teilnahme am Lebendigen Rosenkranz besuchen wir diese Frau daher auch regelmäßig im Altenheim; im Jubiläumsjahr sogar einmal in Begleitung der Fatima-Pilger-Madonna, die sie freudig aufgenommen hat. Mittlerweile sitzt diese Seniorin im Rollstuhl. Und so ist es leicht, in die kleine Hauskapelle zu fahren, die glücklicherweise im Heim eingerichtet ist. Mit beinahe 90 Jahren kommt sie, die nie eine große Beterin war, zu erstaunlichen Einsichten. Als ich ihr vor kurzem in der Kapelle einen Rosenkranz schenkte, sagte sie mit Blick auf die Muttergottes-Statue: „Ich habe jetzt ein hochheiliges Geschenk bekommen. Muttergottes, schau auf mich!“ und fügte hinzu: „ Ich habe jetzt eine Aufgabe.“

Was für Erkenntnisse! Der Rosenkranz als Geschenk, als Mittel, das uns mit der Muttergottes verbindet, und das Gebet als Aufgabe bis ans Lebensende. Und selbst wenn man den Rosenkranz nicht mehr beten kann, so kann man ihn ja vielleicht noch in der Hand halten und mit den Perlen spielen. Wie sagt die hl. Mutter Teresa so schön? „Wer den Rosenkranz hält, der hält die Hand der Muttergottes.“ Das ist doch großartig! Und die hl. Anna Schäffer, die über 20 Jahre lang im Bett lag, sprach sie nicht immer von ihrem „Rosenspiel“, von dem Rosenkranz, den sie immer durch die Finger gleiten ließ? Den Rosenkranz halten und mit den Perlen spielen – ist das nicht ein wunderbares Gebet, sogar  ohne Worte?

In wenigen Worten hat diese alte Frau große Wahrheiten über den Rosenkranz ausgedrückt. Sie bezeichnete den Rosenkranz später als ihr „Heiligtum“, weil sie ja sonst nichts mehr hat.

Beim nächsten Besuch in der Kapelle ging es weiter. Kaum fanden wir uns vor dem Allerheiligsten ein, als sie ein persönliches Gebet begann. Es drückte ihre Erschütterung darüber aus, dass ein Mann in ihrem Beisein einen Kreuzesfluch ausgestoßen hat. Sie entschuldigte den Mann, dass er nicht gewusst habe, was er sagte. Trotzdem war der Fluch ganz schlimm für sie, so als hätte es sie selber betroffen. Sie äußerte großes Mitgefühl für Jesus, den „armen Kerl“, der am Kreuz gelitten hat, aber auch für die Muttergottes, die ihn ja geboren hat, und alles mitmachen muss. Die schreckliche Erfahrung dieses Fluchs hatte ihr bereits eine schlaflose Nacht bereitet. In dieser Nacht kam ihr aber der Tabernakel ihrer Heimat-Pfarrkirche vor Augen, den sie zuletzt im Krieg aufgesucht hatte. Sie war selber ganz überrascht, dass ihr dieser Tabernakel nach so langer Zeit wieder so deutlich in den Sinn gekommen ist. Vor diesem Tabernakel hat sie geistiger Weise die Nacht verbracht und um Vergebung für diesen Kreuzes-Fluch gebeten.

Ist das nicht die Verwirklichung der Botschaft von Fatima? Machen es so nicht auch die Kinder von Fatima? Stellvertretend um Vergebung bitten. Jesus im Tabernakel trösten. Sühne leisten für alle Schmähungen, die Jesus und die Muttergottes erleiden. Für die Bekehrung der armen Sünder bitten.

Ganz offensichtlich haben der Lebendige Rosenkranz und der Besuch der Fatima-Muttergottes im Herzen dieser Seniorin Früchte getragen. Wie leicht ist es da, diese Frau anzuregen, demnächst jede schlaflose Nacht im Geiste vor dem Tabernakel zu verbringen, Jesus und Maria zu trösten und ihnen alles, einfach alles, zu schenken, was das Leben noch so mit sich bringen wird.

 

Wir haben gelernt: Jesus und seine Mutter vergessen niemanden. Auch nicht im Heim, auch nicht in der Demenz, auch nicht am Krankenlager, auch nicht im Rollstuhl. Im Gegenteil: gerade dort, gerade in Schwäche, Krankheit, Alter möchten sie wirken und das Heil bringen. Wie viel Frucht mag gerade das Gebet und die Hingabe der Alten, Kranken, Behinderten bringen!

Vielleicht ist es an uns, den einen oder anderen Heimbewohner regelmäßig zu besuchen, das Gespräch zu pflegen, gemeinsam die Hauskapelle aufzusuchen, zum Gebet anzuregen. Vieles ist vielleicht nur verschütt gegangen, kann aber wieder zu Tage gefördert werden. Im Fall der Seniorin im Rollstuhl ging es um ihre Frage, wie der Satz heißt, den man vorm Tabernakel, vorm Allerheiligsten Sakrament betet. Mehrfach hat sie dann den Satz geübt: „Hochgelobt und gebenedeit sei das Allerheiligste Sakrament des Altares. Von nun an bis in Ewigkeit. Amen.“ Und das mit fast 90 Jahren.

Es sind oft nur Kleinigkeiten, die Jesus und seine Mutter von uns wünschen, aber sie können durch die Gnade Gottes eine große Wirkung erzielen.

Feierliche Weihe der Jugend und der Familien am 5. und 6. August 2017 an das Herz Jesu und das unbefleckte Herz Mariens in Fatima sowie anderen Heiligtümern und Gebetstätten.

Vor zwei Jahren kam bei der Jugend 2000 der Wunsch auf, der Mutter Gottes von Fatima zum hundertjährigen Jubiläum ihres Erscheinens ein besonderes Geschenk zu machen: Die Jugend und die Familien wollten sich in Fatima dem Herzen Jesu und dem unbefleckten Herzen der Muttergottes weihen. Getragen wurde diese Initiative von der Bewegung „TwoHearts“ (übersetzt: die zwei Herzen). In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu erwähnen, dass bei den drei Erscheinungen des Engels von Fatima – im Frühjahr, Sommer und Herbst 1916, die den Erscheinungen der Muttergottes im Jahr 1917 vorausgingen, jeweils von beiden Herzen, dem Herzen Jesu und dem unbefleckten Herzen Mariens, die Rede war. Das inzwischen heilig gesprochene Hirtenkind von Fatima, Jacinta, bekräftigte kurz vor ihrem Tod, dass nach dem Willen Jesu sein Herz und das unbefleckte Herz seiner Mutter nebeneinander verehrt werden sollen. [1]

Ende Mai machte sich ein Vorbereitungsteam der Jugend 2000 auf den Weg nach Fatima, um die Weihe an die beiden Herzen vorzubereiten. Unterstützt wurde das Team von den Beauftragten des Fatima Weltapostolats im Bistum Regensburg, Diakon Walter Karger und seiner Frau Ulrike. Angetan von der Freundlichkeit und Herzlichkeit der Portugiesen durfte das Team unter Leitung von Richard Sohler (Leiter der Jugend 2000 Deutschland) feststellen, dass sich im Heiligtum trotz der vielen Veranstaltungen im Jubeljahr alle Türen für ihr Anliegen öffneten. Von Seiten des Heiligtums wurde ein Informationsbüro zur Verfügung gestellt, die Nutzung des Vortragssaals im Pastoralzentrum Paul VI. war kostenfrei und auch die Presse- und Medienabteilung sicherte ihre Unterstützung zu.

Ungeklärt war lange, wie die Botschaft auch in Portugiesisch verkündet werden sollte. Der Himmel schaffte Abhilfe: Eine deutsche Pilgerin, die lange Zeit in Lissabon tätig war, übernahm kurzfristig diese Aufgabe. Die Liste der „Zufälligkeiten“ und spontanen Hilfen würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Während der gesamten Zeit fühlte sich das Vorbereitungsteam getragen und war manchmal regelrecht sprachlos. Auch die Gemeinschaften vor Ort erwiesen sich als außerordentlich hilfsbereit.

Kurz vor der Feier der Weihe wurde das Team durch Weihbischof Marian Eleganti aus Chur/Schweiz, durch Msgr. Johann Tauer aus der Diözese Regensburg und durch Mitglieder einer Lobpreisband der Jugend 2000 verstärkt.

An den Tagen der Weihe, am 5. und 6. August 2017, schauten zahlreiche Pilgerfamilien mit ihren Kindern im Informationsbüro vorbei und ließen sich für das Anliegen begeistern.

Die Weihe wurde mit Lobpreis und Katechesen im Pastoralzentrum zum Thema Heiligstes Herz Jesu /unbeflecktes Herz Mariä vorbereitet. Am späten Nachmittag zelebrierte der portugiesische Bischof em. Dantas die heilige Messe in einer der größten Kirchen der Welt, der Dreifaltigkeitsbasilika von Fatima. Die Predigt hielt Weihbischof Eleganti. Seine Worte unterstrich er mit einem selbst vorgetragenen Lied. Dazu lieh er sich spontan eine Gitarre vom Lobpreisteam einer schottischen Pilgergruppe, die den Gottesdienst musikalisch begleitete. Eine abendliche Vigil mit eucharistischer Anbetung, zu der auch die Teilnahme am internationalen Rosenkranz und an der Lichterprozession gehörte, diente der Hinführung auf die Weihe. Gegen Mitternacht beteten die Jugendlichen zusammen mit Weihbischof Eleganti das Weihegebet in feierlichem Rahmen. Dabei waren sie über Internet in Wort und Bild mit Jugendlichen in anderen Heiligtümern und Gebetsstätten verbunden, die sich zur gleichen Zeit Jesus und Maria durch eine persönliche Weihe anvertrauten.

Junge Musiker begleiteten die eucharistische Anbetung fast bis in die frühen Morgenstunden.

Am Sonntag stellte Weihbischof Eleganti in seiner Katechese, die speziell an die Jugend gerichtet war, die Frage, wie man die Weihe im Alltag leben kann.

Für das tägliche Gebet empfahl der Bischof gleich in der früh das „Vater unser“ und das „Gegrüßet seist du Maria“.

Die Verbindung zu Gott im Alltag verglich er mit der Arbeit am Computer. Gott hält ständig alle Hilfen für uns bereit. Wenn wir nicht auf ihn eingehen, fährt er, um mit dem Bild des Computers zu sprechen, in den Ruhezustand. Er ist aber stets bereit, für uns da zu sein. Mit einem kurzen Gedanken, einem Anruf oder Stoßgebet können wir Gott wie mit einem Mausklick wieder voll in unser Leben bringen. Wenn wir Gott in all unser Tun einbeziehen, dann wird er stets online, stets mit uns sein.

„Das eigene Herz beobachten“- das war ein weiterer Ratschlag des Bischofs an die Jugendlichen. Das Herz ist wir eine Kugel. Es rollt immer in die Richtung, in die eine Ebene geneigt ist. Wir können durch unser Verhalten und unsere Lebensbedingungen die Neigung der Ebene bestimmen. Jeder sollte seine schwachen Seiten beobachten. Wenn ich dazu neige, zu lange im Internet zu surfen und auch noch gern die falschen Seiten betrachte, dann sollte ich mich diesen Versuchungen möglichst nicht mehr aussetzen.

Der Bischof verglich den Versucher mit einer Axt. Der Teufel ist der Axtkopf aus Stahl. Ohne Axtstiel kann man mit einer Axt nur wenig bewirken. Wir selbst sind oft wie ein Axtstiel. Wir tragen mit unseren Schwächen dazu bei, dass der Teufel gut wirken und Schaden anrichten kann.

Der Bischof ging auch auf das Armbändchen ein, das jeder nach der Weihe trug. Es ist ein Symbol für unsere erneuerte Verbindung zu Gott. Niemand kann diese Verbindung trennen. Wie beim Armbändchen: Wenn man daran zieht, legt es sich fester um den Arm. Nur wir selbst können das Bändchen, können die Verbindung zu Gott zerschneiden.

Es ist wichtig zu begreifen: Jesus und Maria sind für uns eine Versicherung. Wenn wir gefallen sind, wenn wir zu schwach und lahm sind, um ein Leben im Sinn Gottes zu führen, dann ist es Jesus, der uns in der Beichte wieder aufrichtet. Seine Mutter behandelt uns wie einen Schatz und will in unserem Leben wirken, zum Beispiel als Knotenlöserin für all unsere Probleme.

Nach dem festlichen, sonntäglichen Gottesdienst am Freialtar des großen Platzes hatte das Team  der Jugend 2000 Deutschland die Erlaubnis, unterstützt von ihrem Musikteam, an der Erscheinungskapelle ihr Gebetsanliegen in drei Sprachen kund zu tun und zur Neuevangelisierung aufzurufen.

Beim Heiligtum fand die Weihe guten Anklang und es wurde eine Einladung für das nächste Jahr ausgesprochen.



[1] P. Luis Kondor, Schwester Lucia spricht über Fatima, Fatima, 9. Auflage, Mai 2007, S.141

Kennen Sie den lebendigen Rosenkranz?

Walter Karger (Diakon) und Ulrike Karger, Fatima-Welt-Apostolat Regensburg

 „Betet täglich den Rosenkranz!“ so lautet die eindringliche Bitte der Muttergottes bei ihren Erscheinungen in Fatima und in anderen Erscheinungsorten. Viele hören diese Worte, aber sie fühlen sich überfordert, dieser Bitte der Muttergottes nachzukommen oder sie beginnen und geben aus verschiedenen Gründen alsbald wieder auf.

Maria ist Mutter, einfach, demütig und um alle ihre Kinder besorgt. Der Lebendige Rosenkranz ist sicher eine Antwort für jene, die der Bitte der Muttergottes entsprechen wollen, einen kompletten Rosenkranz aber nicht beten können.

 

Zunächst zur Geschichte des lebendigen Rosenkranzes.

„Die Kirche verdankt den lebendigen Rosenkranz der Genialität einer jungen Frau aus Frankreich. Sie wurde 1799 in der Stadt Lyon geboren, wo sie bis zu ihrem Tod 1862 lebte. Ihr Name ist Pauline-Marie Jaricot. Pauline hatte eine tiefe Liebe zu Jesus und seiner Kirche. Deshalb betete sie eifrig für die Ausbreitung des Glaubens unter allen Menschen überall auf der ganzen Welt. Ihr Vater leitete eine Seidenfabrik in Lyon und hatte viele Angestellte. Eines Tages hatte Pauline eine glänzende Idee. Sie sprach mit den Arbeitern über die Missionsaufgabe der Kirche und lud sie ein, sich ihr anzuschließen beim Rosenkranzgebet für die Priester und Ordensschwestern, die als Missionare in weit entfernten Ländern die Frohe Botschaft von Jesus verkündigten. Sie wusste jedoch auch, dass die Männer und Frauen, die viele Stunden in der Fabrik arbeiten mussten, bei ihrer Heimkehr am Abend müde waren. Aus diesem Grund erfand sie einen Weg, der es jedem Arbeiter erlauben würde, am Rosenkranzgebet teilzunehmen, ohne als Einzelner überlastet zu sein.  Was also tat Pauline? Sie bat die Arbeiter, Gruppen von je 15 Mitgliedern zu bilden. Jedes Mitglied einer Gruppe sollte täglich eines der 15 Rosenkranzgeheimnisse beten, denn nur so viele waren es damals. Jedes Gruppenmitglied erhielt am Anfang des Monats sein Geheimnis, das durch den Leiter der Gruppe ausgelost worden war. Die Lose bestanden aus 15 Papierstreifen, auf denen je ein Rosenkranzgeheimnis geschrieben stand. Paulines Idee war in der Tat brillant und wurde von den Arbeitern ihres Vaters begeistert aufgenommen. Auch wenn sie am Ende eines Tages müde waren, beteten sie getreu ihr Rosenkranzgesätz. Oft schloss sich sogar das ein oder andere Familienmitglied dem Gebet an. Am Ende des Monats loste jede Gruppe erneut die Geheimnisse für die einzelnen Mitglieder aus, die diese dann während des folgenden Monats jeden Tag treu beteten. Und so ging es weiter das ganze Jahr hindurch. Wir sehen, was Pauline erreichte, indem sie ihre geniale Idee in die Tat umsetzte: zusammen beteten die 15 Mitglieder jeder Rosenkranzgruppe täglich einen  ganzen Psalter, was ein Einzelner allein niemals geschafft hätte.

Paulines Art und Weise, den Rosenkranz zu beten wurde als der „Lebendige Rosenkranz“ bekannt… Als sie 1832 Papst Gregor XVI. in Rom besuchte, approbierte dieser die „Gesellschaft zur Glaubensverbreitung“, die aus Paulines Aktivitäten unter den Fabrikarbeitern ihres Vaters hervorgegangen war…“

(Auszug aus dem Büchlein „Der Lebendige Rosenkranz“ von Bischof em. Hubert Bucher, Grignon-Verlag, ISBN 978-3-932085-99-4)

 

Der Lebendige Rosenkranz heute

Seit den Tagen von Pauline-Marie Jaricot haben sich verschiedene Formen entwickelt, den lebendigen Rosenkranz zu beten. In einigen Gruppen wird das Rosenkranzgesätz monatlich ausgelost, in anderen Gruppen halbjährlich oder jährlich.

 

Persönliche Erfahrung mit dem Lebendigen Rosenkranz

Unsere Gruppe in Regensburg haben wir im Jahr 2000 gegründet, um täglich ein Gesätzlein für die Ungeborenen Kinder zu beten. Andere Gruppen oder Mitglieder beten in anderen Intentionen, z.B. für Ehe und Familie, für Priester und Ordensleute bzw. für Berufungen, für den Frieden, für die Politiker, für die Erzieher, für unser Land etc., für Anliegen, die einem besonders am Herzen liegen.

Mit jedem Rosenkranzgeheimnis ist eine sogenannte „Frucht“ verbunden, die man für sich selber erbitten kann. Einige Beispiele: …den du, o Jungfrau, vom Heiligen Geist empfangen hast – die „Frucht“, die ich für mich erbitte, ist die „Offenheit für Gott“; oder: ...der uns die Eucharistie geschenkt hat – die Frucht, die ich mir erbitte: die Dankbarkeit. Zu jedem Rosenkranzgesätzlein gehört also auch eine „Frucht“, die auf dem Loszettel mit aufgeschrieben ist. Es ist alles ganz einfach.

Durch das Beten des Lebendigen Rosenkranzes erfülle ich den Wunsch der Muttergottes, ich bete in ihren Anliegen und darf selber durch die „Früchte“ des Lebendigen Rosenkranzes im geistigen Leben wachsen und reifen.

Der Lebendige Rosenkranz, so haben wir über die Jahre erfahren dürfen, hat es wirklich in sich. Er ist einfach genial. Manche Menschen wissen gar nicht mehr, wie sie in ihren Nöten beten sollen. Mit dem Lebendigen Rosenkranz haben sie ein einfach zu erlernendes Hilfsmittel zur Hand. Durch den Lebendigen Rosenkranz kann man auch leichter Menschen gewinnen, die beruflich sehr eingespannt sind oder auch Neueinsteiger, aber auch Kinder und Jugendliche. Es sind ja wirklich nur 5 Minuten täglich. Es bedarf nur des guten Willens und der Entscheidung mit zu beten. Auch kranke Menschen, die einen ganzen Rosenkranz nicht (mehr) schaffen, können beim Lebendigen Rosenkranz gut mit machen. Unter Umständen bekommen sie dadurch sogar eine neue Aufgabe für ihr Leben bzw. finden Sinn in ihrem Leid. Menschen, die nicht mehr in die Kirche gehen können, sind durch den Lebendigen Rosenkranz in eine Gebetsgemeinschaft mit hineingenommen. Man betet das Gesätzlein zwar alleine, aber jeder Beter wird hier in Regensburg in die hl. Messen des Dominikaner-Ordens mit eingeschlossen. Für die verstorbenen Mitglieder wird die hl. Messe jährlich am Rosenkranzfest gefeiert. Wir wollen auch nicht vergessen, dass durch das monatliche Auslosen, wie wir es praktizieren, der persönliche Kontakt gepflegt wird, sei es brieflich, telefonisch, per email oder durch Besuche. Der Lebendige Rosenkranz verbindet: Gruppenmitglieder, Familienmitglieder, Pfarreiangehörige, Priester und Laien, über jegliche Grenzen hinweg.

 

Fazit aus unserer persönlichen Erfahrung mit dem Lebendigen Rosenkranz

Der Lebendige Rosenkranz ist ein Geschenk der Muttergottes gerade auch für unsere heutige Zeit. Sie möchte jeden mit einbeziehen. Jeder ist eingeladen, den Rosenkranz zu beten zum eigenen Heil und zum Heil des Nächsten. Die Muttergottes erbittet nur wenig, schenkt aber unendlich viel. Als erstes Dankbarkeit und Freude.

Bitte haben wir keine Angst, Menschen einzuladen, beim Lebendigen Rosenkranz mit zu beten. Viele warten darauf, angesprochen zu werden. Die Not ist oft sehr groß und die Menschen sehen keinen Ausweg. Aber die Muttergottes.

 

Wie werde ich Mitglied bei der Gemeinschaft des Lebendigen Rosenkranzes?

Für den deutschsprachigen Raum wenden Sie sich bitte an:

Frau Doris Legat

Unterer Porst 43a

6850 Dornbirn

Österreich

Tel.: 0043 5572 394537

Doris.legat@gmx.de