Was Deutschland dem Heiligsten Herzen Jesu schuldet
Dank  -  Sühne  -  Treue  -  Vertrauen

Von GR Martin Übelhör

Diese Skizze wurde als Manuskript 1985 herausgegeben. Zu beziehen vom Fatima-Apostolat, Fulda

I. Deutschland  schuldet dem Heiligsten Herzen Jesu  DANK :

1  Dank für die Ehre und Gnade, erstes Land der Herz-Jesu-Verehrung im Abendland zu sein!

Karl Richstätter SJ (abgekürzt: KR) weist in seinem Buch „Das Herz des Welterlösers“ (Herder, Freiburg, 1932) nach, dass das deutsche Volk schon im Mittelalter so zahlreiche und kostbare Zeugnisse einer tief erfassten Herz-Jesu-Verehrung aufzuweisen vermag, dass man im Vergleich zu anderen abendländischen Nationen sagen kann: „Bis zum Jahre 1500 konnten bisher kaum fünf Franzosen oder nur der eine oder andere Spanier als Herz-Jesu-Zeugen angeführt werden, aus Italien nur wenig mehr. Im deutschen Mittelalter dagegen lässt sich ihre Zahl kaum überschau-en“ (KR S. 24)

 

Außer berühmten Kanzelrednern (deren „nicht weniger als dreißig“, KR S. 24), von denen besonders Bert-hold von Regensburg und Johannes Tauler genannt seien, waren „vor allem die deutschen Mystiker das ganze Mittlalter hindurch die Träger einer echt dogmatischen, einer kernigen, zugleich aber auch tiefsinnigen und zarten Herz-Jesu-Verehrung. Kein einziger deutscher Mystiker von irgendwelcher Bedeutung kann genannt werden, der in seinen Schriften nicht bald kürzer, bald ausführlicher vom ‚minniglichen Herzen unseres lieben Herrn‘ spricht“, wie Richstätter (S. 25) nach 33-jähriger Arbeit für die Geschichte der Herz-Jesu-Verehrung und deren Verbreitung (s. sein Vorwort) sagen kann.

 

Als ältester Kronzeuge deutscher Herz-Jesu-Mystik und –Dichtung wird von Richstätter der Kölner Hl. Her-mann Joseph erwähnt, der schon um das Jahr 1200 das älteste lateinische Herz-Jesu-Lied „Summi Regis cor aveto – Sei gegrüßt, o Herz des höchsten Königs“ verfasste, welch´ hohe Ehre für das „heilige Köln“, die Stadt der Hl. Drei Könige! (KR S. 30). In Köln verstarb 1327 Deutschlands größter Mystiker: Meister Eckhart, dem Herzen Jesu innig zugetan. Aus Köln finden sich sogar schon in altkölnischer Mundart Herz-Jesu-Tagzeiten. In deren Invitatorium heißt es: „Sei gegrüßt, verwundetes Erlöserherz, du Bild von Gottes Vaterherzen! Wasch uns rein von unsern Sünden durch deines süßen Herzens Gnade. Herr, öffne meine Lippen, und mein Mund wird verkünden das Lob deines Herzens.“ (KR S. 30f).

 

Ist von Niederdeutschland noch besonders Thomas von Kempen (+ 1471), der uns die weltberühmte „Nach-folge Christi“ schenkte, zu erwähnen, so darf rühmlich auch aus Deutschlands Süden als Zeuge früher Herz-Jesu-Ver-ehrung angeführt werden: der zu den ältesten deutschen Mystikern zählende Franziskaner David von Augsburg (+ 1272) und der aus Konstanz stammende selige Dominikaner Heinrich Seuse (+ 1366 in Ulm), der die innige Bitte an Jesus richtete: „O Herr, dein liebeglühendes Herz muss das meine in Liebe entzünden“ (KR S. 26f). Gemeinsam nen-nen Deutschlands Süden und Norden den größten deutschen Scholastiker, den Hl. Albertus Magnus (aus Schwaben stammend, in Köln gest. 1280), ihr eigen, der mit dem ehrw. Dyonisius Ryckel, ebf. Scholastiker, Zeuge früher deut-scher Herz-Jesu-Verehrung ist!

 

Die Spitze aber mittelalterlicher deutscher Herz-Jesu-Verehrung bilden unsere ganz großen Frauen-Mystiker-innen, allen voran die hl. Gertrud die Große (+ 1303) in dem sächsischen Zisterzienserinnenkloster Helfta: in ihrem Buch „Der Gesandte der göttlichen Liebe“ enthüllt sie eine „Seele, die vollständig an die Zärtlichkeit des Herzens Christi hingegeben ist“, wie Ladame in seiner historisch so wertvollen Schrift „Paray-Le-Monial und die Verehrung des  Heiligsten Herzens Jesu“ (übersetzt von unserem Lisieux- und Paray-le-Monial-Freund Max Breig S. 7) schreibt. Und ihre Klostergefährtin, die hl. Mechthild (+ 1298), „dringt auf Jesu Einladung hin zu seinem Herzen vor, um dort auszuruhen, und der Heiland schenkt ihr dieses Herz als Unterpfand eines ewigen Bündnisses“ (ebda). Von dem „Buch besonderer Gnade“, das diese Mechtild von Hackeborn verfasste, zeigt sich später der große Herz-Jesu-Apostel Johannes Eudes (+1680) der „glühendste Apostel der Verehrung des heiligsten Herzens vor der Hl. Marga-reta Maria und dann gleichzeitig mit ihr“ (ebda.), deutlich beeinflusst.

 

„Auch eine größere Anzahl von Herz-Jesu- Visionen berichtet die deutsche Mystik. Die älteste, die sich zu Magdeburg zutrug, fällt in die Mitte des  13.Jahrhunderts. Mechtild von Magdeburg berichtet darüber in ihren wert-vollen Aufzeichnungen: ‚Der Herr zeigte mir seines Herzens Wunde und sprach: Sieh, wie weh man mir getan hat.“ (KR S. 29f). Wie sehr erinnert dies an die 300 Jahre später erfolgte Herz-Jesu-Vision der hl. Margareta M. Alacoque vom Jahre 1675!

Überaus zahlreich sind die uns erhaltenen Gebete, Gedichte, Hymnen, Tagzeiten und Lektionen als Zeugnis “der unzähligen innerlichen Seelen, die im deutschen Mittelalter längst vor der Heiligen von Paray-le-Monial den Weg zum Heilandsherzen gefunden haben“, so Richstätter (KR S 29), der dann abschließend feststellen kann:  „ Alle Gegenden Deutschlands, von der Schweiz bis in die Niederlande, stellen ihre Herz-Jesu-Zeugen. Alle deutschen Mundarten reden von der Liebe und den Leiden und den Gnaden des Erlöserherzens, so in Bayern und in Sachsen, am Rhein und in Westfalen, in der Schweiz und in Österreich“ (KR S. 31). Und dann spricht Richstätter das für uns Deutsche so ehrende Wort: „Man darf also die altdeutsche Herz-Jesu-Verehrung als ein kostbares Gnadengeschenk bezeichnen, das der Herr den weitesten Kreisen des deutschen Volkes gemacht hatte, als die Kenntnis des Erlöserher-zens in den romanischen Ländern fast unbekannt war.“ (KR S. 32).

 

 

2  Deutschland schuldet dem Hlst. Herzen Jesu Dank für die Rettung des katholischen Glaubens in der Reformation:

 

„So viele deutsche Prediger und Mystiker hatten drei Jahrhunderte von der Liebe und dem Erbarmen des göttlichen Herzens gesprochen und geschrieben, treu waren hochherzige Seelen in Deutschland den Gnaden des göttlichen Herzens gefolgt, viel hatte man zum ‚minniglichen Herzen unseres lieben Herrn‘ gebetet“ (KR S.32). Sollte und durfte diese unserem Volk zuteil gewordene Ehre, schon in den Jahren 1200 bis 1500 Kronland der Herz-Jesu-Verehrung im Abendland geworden zu sein, nicht auch eine besondere Gnade und Hilfe nach sich ziehen? Und diese kam auch, als Deutschland in größte religiöse Not und Krise geriet, in die Gefahr, dass die katholische Kirche bei uns untergegangen wäre, wie es in den Ländern Nordeuropas praktisch der Fall war.

 

Hören wir von Richstätter über Deutschlands Not und Rettung: „Da kam im 16. Jahrhundert die Reformation. ‚Wenn Gott nicht ein Wunder wirkt, ist Deutschland für die katholische Kirche verloren‘, das war das Urteil vieler, die die Zeichen der Zeit verstanden. Ob nicht die Erbarmung des göttlichen Herzens das Wunder gewirkt hat?

 

Drei Jahre nach Luthers Tode (18.2.1546) war mit dem Augsburger Interim die Verwirrung und Gefahr aufs höchste gestiegen. Da erhielt Petrus Canisius, der erst deutsche Jesuit, im Jahre 1549 zu Rom vom hl. Ignatius den Auftrag, nach Deutschland zu gehen, um an der Rettung des katholischen Glaubens zu arbeiten. Vor seiner Abreise eilte er zur Peterskirche, seine Sendung vor dem Sakramentsaltar dem Herrn zu empfehlen. Als hochbetagter Greis schrieb er für sich selbst in einem Rückblick über sein Leben die Gnade nieder, deren er dort gewürdigt worden war.

 

Jesus selbst erschien dem jungen Apostel, zeigte ihm das liebeglühende, verwundete Herz und stärkte ihn für seine übermenschliche Aufgabe mit den Gnaden seines heiligsten Herzens. Canisius schreibt: ‚Da hast du mir, o Herr, in deiner heiligsten Brust gleichsam dein Herz geöffnet, das ich nahe vor mir schaute. Du hießest mich, aus diesem Borne zu trinken. Ich sollte Wasser des Heiles aus deinen Quellen schöpfen. Ich wagte es, an dein hochheiliges Herz heranzutreten und meinen Durst aus ihm zu stillen. Daraufhin versprachst du mir ein Gewand, das meine nackte Seele bedecken sollte: Liebe, Friede und Beharrlichkeit.‘

Nachher vernahm er mehreremal die Worte: ‚Siehe, ich sende euch! Gehet und predigt allen das Evangelium!‘ Auch zwei Tage vorher, nach der Audienz bei Papst Paul III., der seine Sendung nach Deutschland gesegnet, wurden dem jungen Ordensmanne besondere Gnaden zuteil, von denen ebenfalls sein ‚Testament‘ berichtet:

‚Da gefiel es deiner unendlichen Güte, o ewiger Hoherpriester, dass ich großen Trost und die Gegenwart die-ner Gnade empfand. Auch die heiligen Apostel segneten und bestätigten meine Sendung nach Deutschland. Es kam mir vor, als ob sie mir, wie einem Apostel Deutschlands, ihr Wohlwollen zuzuwenden versprächen. Du, o Herr, weißt es, wie sehr und wie oft du mir an jenem Tage Deutschland empfohlen hast, für das ich zu leben und zu sterben ver-langte.‘

Mit einem Herzen voll Liebe, das sich entzündet hatte an der Glut des göttlichen Herzens, reiste Canisius dann nach Deutschland. Von einigen Mitbrüdern unterstützt, begann er seine apostolische Arbeit. Und der Erfolg?

‚In wenigen Jahren‘, schreibt der protestantische Philosoph Paulsen, ‚war der Fortschritt des Protestantismus zum Stehen gebracht, und am Anfang des 17. Jahrhunderts stand der Katholizismus zur Wiedereroberung gerüstet da. … Es ist in dieser Tätigkeit etwas von der stillen, aber unaufhaltsamen Wirkung der Naturkräfte, ohne Leidenschaft und Kriegslärm, ohne Aufregung und Überstürzung.‘ So zeigt sich allerdings nach außen hin das übernatürliche Wir-ken der stillen Gnade, die vom Erlöserherzen ausgeht.  – (Und nun Richstätters abschließendes Urteil:)

Wie kein anderes Volk der Welt schuldet darum das deutsche Volk dem Herzen Jesu Dank, Liebe und Ver-ehrung. Denn die Erbarmung des Erlöserherzens hat unserem Lande das höchste Gut gerettet, den katholischen Glau-ben.“ (KR S.32f).

Anmerkung: Das hier geschilderte Erlebnis und Zeugnis von Petrus Canisius, vor allem seine Herz-Jesu-Vision in Rom, ist auch im Stundenbuch (Lektionar I,3 und II.3) unter dem  27. April allen Betern des Breviers dargeboten!

 

Wenn man an das von Richstätter abgelegte ehrenvolle Zeugnis für die Herz-Jesu-Verehrung im damals noch ganz katholischen Deutschland des Mittelalters denkt, dann geht man nicht fehl, sagen zu dürfen: Es war auch Lohn und „Dank“ des göttlichen Herzens Jesu seinerseits an das deutsche Volk, dass es ihm gegen alles Erwarten noch in breiten Regionen den katholischen Glauben retten half!

 

 

 

3  Deutschland  schuldet dem Hlst. Herzen Jesu Dank für Trost, Schutz und Segen in begonnener Neuzeit mit neu aufkeimender Herz-Jesu-Verehrung

 

Entsetzlich war für deutsches Volk und Land die äußere Folge der Reformation: der Dreissigjährige Krieg! Das Kriegsgeschehen mit seinem Trauergefolge von Pest und Hunger verminderte die Bevölkerung um die Hälfte, von 18 auf 9 Millionen. Stillen Trost spendete das Erlöserherz Christi unserem schwer heimgesuchten und noch in beiden Konfessionen christusgläubigen Volk, wie sein Heilandswort ja für alle Not auf Erden gilt: „Mich erbarmt des Volkes!“

 

Ein Geschenk des Herrn an unser Volk war es, dass trotz seiner Zerrissenheit durch Konfession und Kriegs-parteien das Reich als solches nicht auseinanderfiel (die Schweiz, nun völlig selbstständig, hatte sich praktisch schon vorher vom Reiche gelöst). So konnte das zwar geschwächte Heilige Römische Reich Deutscher Nation schon knapp 35 Jahre nach dem gewiss schweren Westfälischen Frieden noch eine einzigartige Großtat für das christliche Abend-land vollbringen: die Türken vor Wien 1683 für immer abwehren und dann in folgenden Jahrzehnten immer weiter zurückdrängen. Auffallend und erfreulich ist, dass vor Wien dem kath. Kaiser auch protestantische Truppen-Kontin-gente beistanden! Innerlich hat die furchtbare Kriegsnot auch neue Glaubenskraft geweckt, die zu neuer Glaubens-freude führte, die im Barock sich geradezu sieghaft kundtat, und dies schon wenige Jahrzehnte nach der bisher größten Katastrophe in Deutschlands Geschichte! Gesunder, christlicher Lebenswille ließ das dezimierte Volk wieder wachsen und erstarken. Katholische Volksfrömmigkeit erblühte allerorten.

 

Hierbei ist auch ein Neuaufkeimen der Herz-Jesu-Verehrung, die 150 Jahre unter den Zeitenstürmen sehr litt, aber nicht erstarb, zu bemerken: hierzu half nun vor allem das große Gnadenereignis mit, das sich nahe an der alten Reichsgrenze zu Paray le Monial im französischen Burgund 1675 begab. Die Vision und Botschaft des göttlichen Er-löserherzens, durch die Hl. Margareta M. Alacoque empfangen, begann früh über den Rhein in das katholisch ver-bliebene Deutschland hereinzuwirken! Zeugnisse dafür sind heiligmäßige Priester wie der Jesuit Philipp Jeningen (von Eichstätt stammend, als „Apostel des Ries“ in Ellwangen gestorben 1704) und der Benediktinerabt Beda Som-merberger von Zwiefalten(1660 – 1737), der bereits 1703 eine Herz-Jesu-Bruderschaft dort gründete, auch die Gründung der Herz-Jesu-Kapelle auf dem Herz-Jesu-Berg bei Schelklingen (1708) und die Erbauung der ältesten deutschen Herz-Jesu-Kirche  in Ehingen / Donau (1719) veranlasste. Das Herz-Jesu-Kultbild von Paray le Monial findet sich auch schon 1713 in der Dreifaltigkeits-Wallfahrtskapelle in Oberdischingen. Gewiss finden sich auch andernorts Beispiele, dass die Herz-Jesu-Strömung vom nahen Burgund in Deutschland gern aufgenommen wurde und keineswegs als „fremdländisch“ empfunden wurde. Indirekt zeugt für die im 18. Jahrhundert in Deutschland neu fußfassende Herz-Jesu-Verehrung auch die Tatsache, dass der Josephinismus, der Feind einer tiefen, warmen Religi-osität, auch in „erbitterter Gegnerschaft“ zur Herz-Jesu-Andacht stand, wie der Kirchenhistoriker Bihlmeyer in Bd. III seiner Kirchengeschichte (S. 200) erwähnt.

 

Ein herrliches Zeugnis für die Herz-Jesu-Liebe eines deutschen Volksstammes bietet das südlichste deutsche Land, Tirol, das damals noch, als es sich gegen Napoleon erhob, zum Hl. Römischen Reich deutscher Nation gehörte. Das „Tiroler Jungbürgerbuch“ (Jg 1963) berichtet:

Als 1796 in Bozen ein Ausschuss der Tiroler Landstände tagte, wurde „vom gesamten hohen Kongress durch ein feierliches Verlöbnis der Schluss gefasst, dass hinfüro, weil Stifter und Stände der ungezweifelten Hoffnung des in Ansehung des Verlöbnisses gewiss erfolgenden Schutzes und Rettung des wertesten Vaterlandes sind, das Fest des heiligsten Herzens Jesu im ganzen Land mit einem feierlichen Hochamt gefeiert werden solle.“ Tirol gilt heute noch als das „Herz-Jesu-Land“, das seiner Weihe vom Jahr 1796 durch alle Jahrhunderte hindurch – mit oftmaliger Erneu-erung – treu geblieben ist (daran mahnen auch die Feuer auf den Tiroler Bergen)! Ein Beispiel für andere.

 

 

4  Deutschland schuldet dem Hlst. Herzen Jesu Dank für die Früchte einer reich erblühten Herz-Jesu-Verehrung vom 19. Jht. bis zur Weihe 1915:

 

Nach der Kaltluft-Periode der Aufklärung und den tiefgreifenden Veränderungen durch die Napoleon-Ära (der auch das Reich zum Opfer fiel!) kehrte in der Romantik allmählich „wieder ein kräftigeres Glaubensbewusstsein und eine aktivere katholische Gesinnung bei Klerus und Laien zurück“, wie Bihlmeyer (Bd. III, S. 317) schreibt. „In der privaten Frömmigkeit trat besonders die Verehrung der Eucharistie, des heiligsten Herzens Jesu und der Mutter Gottes hervor“ (ebda.). Auch im offiziellen kirchlichen Leben Deutschlands brachte das durch Pius IX. 1856 auf die ganze Kirche ausgedehnte Herz-Jesu-Fest mächtige Impulse. Das ganze kirchliche und vom Volk getragene Frömmigkeits-leben begann in herrlicher Vielfalt unter der Sonne des Herzens Jesu zu erblühen: Herz-Jesu-Fest, Herz-Jesu-Monat, Herz-Jesu-Freitage, Herz-Jesu-Kirchen, Herz-Jesu-Altäre, Herz-Jesu-Statuen, Herz-Jesu-Bruderschaften: dies alles waren Zeichen, dass die von Jesus in Paray le Monial schon 200 Jahre zuvor verlangte Verehrung seines Herzens nun endlich auf breiter Basis Wirklichkeit geworden war. Wäre dies schon früher, gemäß dem Wunsch des Herrn, gesche-hen, hätte sich Jesu Wort an Margareta M. Alacoque viel mehr und früher schützend und segnend auswirken können: „Ich will in diesen letzten Jahrhunderten die Welt durch mein Herz vor dem Satan retten!“

 

Große Persönlichkeiten förderten durch Wort, Schrift und Beispiel die aufblühende Herz-Jesu-Verehrung im deutschen katholischen Gottesvolk, so der bekannte Mainzer Bischof Emmanuel von Ketteler, dann der Gründer des großen Steyler Missionswerkes, der 1975 seliggesprochene Arnold Janssen, der jahrelang den „Herz-Jesu-Boten“ schrieb (heute „Stadt Gottes“). Besonders verdient machten sich um eine echte Herz-Jesu-Verehrung gelehrte und fromme Jesuiten wie ein P. Franz Hattler (+13.10.1907), den man nicht mit Unrecht „Apostel des Herzens Jesu in den deutschen Landen“ nannte. Hierher gehört auch der in dieser Skizze oft erwähnte Herz-Jesu-Forscher P. Karl Richstätter, der die Herz-Jesu-Liebe der Vorfahren uns Deutschen von heute lebenswarm vermitteln wollte.

 

Aber herausragend über diese von der Liebe des Herzens Jesu geprägten Persönlichkeiten, deren Reihe noch leicht zu erweitern wäre, steht am Ende des 19. Jahrhunderts eine einzigartige deutsche „Herz-Jesu-Heilige“ da: die selige Maria von Droste-Vischering! Diese westfälische Grafentochter – übrigens nah verwandt mit den großen Bi-schöfen Ketteler, Graf Galen und zuvor Klemens August von Droste-Vischering – wurde ähnlich wie die Herz-Jesu-Heilige Frankreichs, M. Margareta Alacoque, die erwählte Botin des Göttlichen Herzens, um seinen Wunsch und Wil-len, dass die Welt ihm geweiht werde, der Kirche kundzutun. Als junge Guthirtenschwester vernahm sie 1891 den Ruf Jesu: „Komm an mein Herz!“.

Nach Lissabon entsandt, bot sie zuvor am Dreikönigsaltar im Dom zu Köln ihr Leben Gott an und starb 5 Jahre später 36-jährig, nachdem sie, von glühender Herz-Jesu-Liebe getrieben, den Papst gebeten hatte, die ganze Menschheit dem Hlst. Herzen Jesu zu weihen. „Als sei damit ihr Lebenswerk vollbracht, starb sie am 8. Juni 1899,

am Tage vor Beginn des feierlichen Triduums, das die Weltweihe einleitete“ (Hümmeler, Helden und Heilige, Bd. I, S. 308).

Es steht fest, dass zu dieser Herz-Jesu-Weltweihe, die Leo XIII. am 11. Juni 1899, an der Schwelle zum 20. Jahrhundert, vollzog, diese heilige deutsche Ordensschwester den Anstoß geben durfte: welche Ehre für unser Deut-sches Volk, dass aus ihm solche der ganzen Welt Gnaden bringende Anregung kam!

 

Gerade auf dieses Ereignis nahmen auch die deutschen Bischöfe Bezug, als sie die Weltweihe des Papstes für die Deutschland-Weihe an das Heiligste Herz Jesu am 10. Januar 1915 zum Vorbild nahmen.

 

Knapp 4 Monate nach Beginn des Ersten Weltkrieges riefen alle deutschen Oberhirten – 2 Kardinal-Erzbi-schöfe, 3 Erzbischöfe, 1 Fürstbischof, 19 Bischöfe und 2 Kapitularvikare – alle Katholiken Deutschlands mit einem ergreifenden Hirtenbrief, verlesen am 27. Dezember 1914, zu einer großen Sühne- und Weihetat auf: „Ihr wisset, Geliebte, dass Papst Leo XIII. am 11. Juni 1899 die ganze Welt dem heiligsten Herzen Jesu geweiht hat. Wir wollen zum Beginn des Jahres 1915 unsere Herzen, unsere Familien, unsere Gemeinden und Diözesen aufs neue dem heilig-sten Herzen Jesu weihen. Der Ernst und die Not der Zeit drängt uns dazu.“ Auch an unserem Volk, so führen sie Bi-schöfe aus, wolle sich das Wort des Papstes in seinem Rundschreiben vom 25. Mai 1899 (zur Vorbereitung der Welt-weihe) erfüllen, in dem er mit Hinweis auf das am Himmel erschienene Kreuz über Konstantin (312) der Menschheit von heute zurufe: „Vor unseren Augen steht ein anderes glückverheißendes Zeichen: das hochheilige Herz Jesu, vom Kreuz überragt, hellstrahlend mitten in Flammen.“

In diesem uns heute noch ans Herz gehende, ja erschütternden Hirtenbrief verlangen die Bischöfe vor einem Weiheakt an das Hlst. Herz tiefechte Buße und Sühne für so viele schwerwiegende Sünden und Verfehlungen im Le-ben des Volkes, für die wir in der Kirche mitverantwortlich seien: „Welch schmachvolle, wegwerfende Behandlung, Entwertung, Verhöhnung hatte die Religion sich öffentlich gefallen lassen müssen,  - nein, haben wir uns gefallen las-sen in unserer Schwäche und Feigheit! Das ist unsere Schuld, unsere größte Schuld! Im Gottesgericht des Krieges ist offenbar geworden, wie gewisse Laster am Mark eines Volkes zehren, so dass in der Not seine Kraft versiegt und es zusammenbricht. Aber mit tiefster Beschämung müssen wir bekennen: wir haben es geschehen lassen, dass eben jene Laster in bedenklichem Grade auch in unser Volk eingeschleppt, dass auch bei uns die Ehe entweiht und um ihren Kindersegen gebracht wurde, unsere Schuld, unsere große Schuld.“ (Es dürfte nicht schwer sein, die Parallele zur Lage von heute zu ziehen!).

 

Die Bischöfe verlangen aber nicht nur einmaligen Sühneakt, sondern anhaltende Bußgesinnung vom ganzen Volk: „… es wäre eine verhängnisvolle Täuschung, zu meinen, nun sei alle Schuld getilgt und das deutsche Volk mit einem Male zu einem neuen besseren Leben wiedergeboren. Langjährige Schuld sühnt nicht kurze Reue. Wahre Reue tilgt die Schuld, aber nicht jede Strafe. Eines ganzen Volkes Schuld sühnt auch nur des ganzen Volkes ernste Buße und gründliche Umkehr.“

 

Und dann der zweite Teil dieser von den Bischöfen gewünschten Herz-Jesu-Hingabe unseres Volkes: „Auf

die Sühnetat folge der Weiheakt… So sollen denn (alle) … die daheim und die im Felde, Priester und Bischöfe, sich zu diesem feierlichen Weiheakte zusammenschließen.“ Und die Bischöfe erhoffen große innere Früchte von diesem Sühne- und Weiheakt. „Wahrlich, dieser Anschluss an den Heiland wird uns Segen bringen und das Jahr 1915 zu ei-nem Jahr des Heiles machen. Am Herzen des Heilandes werden unsere Herzen wieder gesunden… Aus seinem Her-zen werden wir Kraft schöpfen zur Ertragung der Leiden und Wehen des Krieges … Kraft, wenn nötig, auch Verluste und Niederlagen zu ertragen, Kraft, unsere Siege zu ertragen, … dass wir nicht von den eigenen Siegen besiegt wer-den … und nach Wiederkehr des Friedens auf den guten Wegen bleiben…“

 

In ihrem Schlusswort beziehen die Bischöfe das ganze Vaterland in den gewünschten Weiheakt ein und in die daraus erhofften „guten Folgen“: „In dieser frohen Zuversicht weihen vor allem wir selbst, eure Oberhirten, im Geiste mit euch vereinigt, uns und unsere Diözesen dem heiligsten Herzen Jesu. Wir befehlen in dieses göttliche Herz voll Liebe und Gnade euch alle und jedes einzelne von euch, … unser teures Vaterland, dem in solcher Zeit unsere Herzen mit ganz besonderer Liebe und Treue zugetan sind… Jesus, Du heiliges Gotteslamm, das hinwegnimmt die Sünden der Welt, erbarme dich unser und schenke uns den Frieden! Heilige Jungfrau und Gottesmutter Maria, erflehe uns von Deinem göttlichen Sohne Verzeihung, Gnade und Frieden. Amen.“

 

Nach diesem erhebenden und eindringlichen Aufruf der Bischöfe folgen oberhirtliche Anweisungen an alle Pfarrgemeinden über die Durchführung des großen Sühne- und Weiheaktes an das Heiligste Herz Jesu: ein Triduum soll die Herzen bereiten – Anbetung und großer Beichtempfang – dann am Tag selber: „… den Tag über Aussetzung des heiligsten Sakramentes, morgens Generalkommunion und Festgottesdienst mit Predigt.

Entweder am Schluss des Vormittagsgottesdienstes oder nach feierlichem Abendgottesdienst soll nach dem Formular von Leo XIII. die feierliche Weihe vorgenommen werden.“  - NB: auch Behandlung der Weihe in der Kate-chese!

So wurde denn die Weihe Deutschlands  -  wirklich auch im Sinne einer Nationalweihe: die Bischöfe sprechen ja vom „Vaterland“!  -  am Sonntag nach der Erscheinung des Herrn, dem 10. Januar 1915, also überall am selben Tag „in allen Kirchen Deutschlands mit überwältigender Teilnahme des Volkes begangen“, wie Karl Richstätter als Kron-zeuge des großen Geschehens schreibt (KR S. 119).

5  Deutschland schuldet dem Hlst. Herzen Jesu Dank für die Früchte seiner großen Weihe vom 10. Januar 1915

 

Wir fragen: was ging nun aus dieser offensichtlich sehr ernst genommenen und mit größter Feierlichkeit voll-zogenen Weihe Deutschlands an das Hl.st. Herz Jesu an inneren und äußeren Segenswirkungen hervor? Schauen wir auf die Zeit von 1915 bis 1950 und betrachten sie getrennt über den 1. Weltkrieg hin bis zum „Dritten Reich“, seinem Beginn 1933, und sodann von da an über den 2. Weltkrieg hin bis zu den ersten Nachkriegsjahren um 1950, der Mitte unseres 20. Jahrhunderts:

 

a)      Zeit von 1915 bis 1933

Von der Herz-Jesu-Weihe Deutschlands ging deutlich, wenn man geschichtlich-gläubig die Ereignisse sieht, eine Schutzwirkung für das deutsche Land und Volk aus. Dass bei aller Schwere des verlorenen Krieges und des nach-folgenden Versailler Vertrags Deutschland wenigstens ein unzerstörtes Land geblieben war, betrachtet Richstätter als ein besonderes Geschenk des Herzens Jesu: „Jedenfalls sind wir trotz der fünffachen Übermacht unserer Feinde vor dem schrecklichsten Unglück bewahrt geblieben. Unser Land ist trotz des Zusammenbruchs nicht zu einer Wüste ge-worden wie große Gebiete von Frankreich, Russland und Italien“ (KR S. 119).

Dass ferner die Revolution gegen die Monarchie und der Übergang zur Republik in Deutschland und seinen Bundesländern im Ganzen unblutig verlief, dass das Deutsche Reich und seine Länder bald wieder geordnete Staats-wesen wurden,  -  und dass die von Osten herandrängende bolschewistische Gefahr vor Deutschlands Grenzen 1920 durch Polen („Wunder an der Weichsel“!) aufgehalten wurde  -  und dies trotz unserer Mitschuld am Bolschewismus durch den Transport Lenins 1917 nach Russland!  -, das alles darf nicht als selbstverständlich angesehen werden! Dem Herzen Jesu heute noch Dank für diesen mehrfach erfahrenen sichtbaren Schutz!

 

Aber mehr noch kamen innerlich unsrem Volk Trost, Kraft und Gnade aus seiner Herz-Jesu-Weihe zu  für die Kriegs- und Nachkriegsjahre. Bald nach dem Kriegsende sagte ein Redner auf dem Katholikentag in Konstanz das glaubensstarke und demütige Wort: „Gott hat die Schultern des deutschen Volkes zu leicht gefunden, um einen Sieg zu ertragen, aber für stark genug, um eine Niederlage zu ertragen!“

 

Noch im unmittelbaren Eindruck der Notjahre schreibt Richstätter Ende der zwanziger Jahre:

„Durch den Weltkrieg ist Deutschland militärisch, politisch und wirtschaftlich vernichtet, sein Ansehen in den Augen der Welt schwer geschädigt. Mit der deutschen Armut ist jetzt über alle Völker die Weltkrisis hereingebrochen.

Die höchsten Güter aber, die übernatürlichen, denen allein wahrer, unvergänglicher Wert zukommt, kann niemand dem deutschen Volke rauben. Wie von selbst richten sich die Blicke unserer Zeit auf das, was Christus der Welt ge-bracht hat und was allein von ewigem Wert ist. Tröstlich ist daher der Zug zu religiöser Innerlichkeit, der heute bei aller wirtschaftlichen Not durch manche Kreise unseres Volkes geht.“ (KR S. 126).

 

Der anerkannte Kirchenhistoriker Bihlmeyer, der für die Nachkriegsjahre im sittlichen Leben zwar „schwere Niedergangserscheinungen“ vermerkt (Kirchengeschichte, Bd. III, S. 420), sieht doch auch hocherfreuliche Anzeichen kirchlich-religiöser Erneuerung im katholischen Deutschland:

„Das innerkirchliche Leben der deutschen Katholiken und der Einfluss des Katholizismus auf Wissenschaft, Literatur und Kunst nahm in der Nachkriegszeit in erfreulichem Maße zu. Eine neue Romantik schien im Aufblühen. Die Not der Zeit weckte wieder Sehnsucht und Verständnis für feste religiöse Werte; es war wie ein ‚Wiedererwachen der Kirche in den Seelen‘ (Wort stammt von Guardini). Man konnte von einem ‚monastischen und liturgischen Früh-ling‘ reden. Die Jugendbewegung (Quickborn, Neudeutschland und andere Bünde), die Akademiker- und Exerzitien-bewegung arbeiteten für ihren ‚Teil an der Eingliederung der Laien in das Apostolat der Katholischen Aktion. Zwar sind lange nicht alle Hoffnungen in Erfüllung gegangen, … aber im großen und ganzen hat der deutsche Katholizis-mus die Zeichen der Zeit richtig erkannt und seine reichen Kräfte erfolgreich für den Kampf um Gottes Reich gegen die widerchristlichen Mächte mobilisiert“ (Bihlmeyer, Kirchengeschichte, Bd. III, S. 430f).

 

Hier ist schon angedeutet, dass der von Pius XI. neu proklamierte Christkönigsgedanke (Einführung des Christkönigsfestes 1925), eine wertvolle Bereicherung und adäquate Ausfaltung der Herz-Jesu-Frömmigkeit, zündend und befruchtend auf Jugend und Laien wirkte. Trotz  -  oder vielleicht gerade wegen  -  äußerer Not durchströmte ein echter Idealismus die katholische Jugendbewegung, in der sich auch starke marianische Kräfte zeigten, bes. von Schönstatt her, wo unter P. Kentenich eine hoffnungsvolle Erneuerungsbewegung entstand. Nicht vergessen sei das große Charisma von Konnersreuth, wodurch der Passionsfrömmigkeit und dem eucharistischen Glauben starke Kräfte zuflossen. Der schon erwähnte „monastische Frühling“ führte in den 20er Jahren zu einer großen Zahl von Klostergründungen in ganz Deutschland.

 

b)      Zeit von 1933 bis 1950

Nachdem sich der große Herz-Jesu-Weiheakt vom 10. Januar 1915 doch auf die ganze kommende Zukunft des Deutschen Volkes bezog, war und ist die Hoffnung und das Vertrauen darin eingeschlossen, dass sich der so innig und machtvoll von Bischöfen und gläubigem Volk erbetene Schutz und Beistand des göttlichen und königlichen Herzens Jesu gerade auch in kommenden schwersten Zeiten zeigen und bewähren werde: und diese Zeiten kamen mit dem Heraufziehen des „satanischen Gespenstes“ des Nationalsozialismus, wie Pius XII. diese furchtbare Gefahr über Deutschland nannte (Ansprache vom 2. Juni 1945). Ganz deutlich zeigt sich ein besonderer Beistand des Himmels, durch Christus, den Herrn der Geschichte, in folgenden Tatsachen und Haltungen während und nach dem „Dritten Reich“ und dem von ihm heraufbeschworenen Zweiten Weltkrieg:

 

1)      Darin, dass dieses von seinen Anhängern so proklamierte „Tausendjährige Reich“ in zwölf Jahren zu Ende ging! Es hätte ja auch wie sein roter Bruder, der Sowjetstaat und Bolschewismus, bis heute dauern können.

 

2)      Darin, dass es beim Zusammenbruch des Dritten Reiches im Mai 1945 zu keinem innerdeutschen Blutbad kam, was durchaus beim Fanatismus und dem für sie zu erwartenden Strafprozess von der NS-Führungs-schicht und ihrer SS-Hausmacht zu erwarten gewesen wäre,  -  wenn beim Waffenstillstand nicht schon

ganz Deutschland von den alliierten Armeen besetzt gewesen wäre! Haben wir das schon bedacht?

 

3)      Dass Deutschland als Staat nicht unterging, sondern nach wenigen 4 Jahren als Bundesrepublik Deutschland wieder auferstand, was beim totalen Zusammenbruch 1945 von den Siegermächten gewiss noch nicht geplant war. Schmerzlich genug ist die Bildung eines sowjetisch dirigierten deutschen Vasallenstaates, der sogenann-ten „Deutschen Demokratischen Republik“, auch der Verlust großer deutscher Ostgebiete, wie Schlesien, Ost-preußen und Pommern.

 

4)      Dass die zwangsweise und grausame Vertreibung von elf Millionen Deutschen aus den Ostgebieten in das zer-störte Restdeutschland nicht, wie Stalin plante, zu einer 2. innerdeutschen Katastrophe führte, die Deutschland dem Kommunismus in die Arme treiben sollte!

Im Gegenteil:

Die von so schwerem Kreuz geprüften, darum auch gesegneten Scharen von Vertriebenen wurde sichtlich zu einer großen Aufbauhilfe in einem neuen Deutschland, das dafür auch diesem großen Bevölkerungsteil für immer Dank schuldet!

 

5)      Dass das Wunder des Wiederaufbaues (Erzbischof Gröber am 31. Mai 1945: „Es wird Wunder brauchen, bis das Volk sich erholt“) Wirklichkeit wurde, und zwar in viel kürzerer Zeit, als man zu hoffen wagte  -  im We-sentlich in knapp einem Jahrzehnt!  -, darf und muss als ein unfassliches Geschenk der Göttlichen Vorsehung und damit auch des Heiligsten Herzens Jesu an das Deutsche Volk bezeichnet werden, das allerdings in un-dankbarster Weise das „deutsche Wirtschaftswunder“ gar bald sich selber zuzuschreiben begann, so sehr, dass Hermann von Sieburg klagen kann: „Das deutsche Volk hat das Gedächtnis verloren.“ Um dieses nur ein bisschen auffrischen zu helfen, soll nochmals Erzbischof Gröber uns an die Lage 1945 erinnern dürfen (aus seinem Hirtenschreiben vom 31. Mai 1945 unter dem Leitwort „Trauer und Hoffnung“):

 

„… Jetzt ist es freilich unvergleichlich schwerer als je, an eine deutsche Zukunft zu glauben. Millionen deutscher Menschen sind entheimatet und ohne Haus und Herd. Viele, die einst begütert waren oder sogar reich oder wenigstens durch ihrer Hände Arbeit imstande, ein bescheidenes Leben in ihrer Familie zu führen, haben jetzt alles durch den Krieg verloren. Ihre Wohnhäuser und Geschäfte sind verbrannt, ihre Aktien und Wertpapiere auf dem Weltmarkt entwertet, ihr Wirkungskreis und ihre Verdienstmöglichkeit verschwanden durch den Untergang der Städte und Fabriken. Hinter ihnen liegt das Nichts, und vor ihnen ein undurchdring-liches Dunkel (S. 38).

Wir stehen vor furchtbaren Verwüstungen, vor einem Ende, an das jene, welche die politische und weltan-schauliche Entwicklung entworfen und vorangetrieben hatten, auch in ihren wirrsten und schrecklichsten Träumen nicht dachten. Es ist der letzte Akt einer Tragödie, so erschütternd, wie die Welt noch keine bisher erlebte.“ (S.36).

 

6)      Aber größer noch als dieses äußere Geschenk der Wiedererstehung Deutschlands aus größter Not, vor allem in den Jahren 1945 bis 1950, sind die großen inneren Gnaden, die das deutsche Volk in den so gefährlichen und schweren Jahren von 1933 bis 1950 erfahren durfte  -  vom Göttlichen Herzen Jesu, das die Ihm dargebrachte Weihe von 1915 nicht vergaß wie wir!

Es waren Gnaden zu solch edlen christlichen Haltungen und Handlungen, die einmal trotz allem Bösen und Furchtbaren, was unser Volk durch nicht wenige seiner Glieder unter satanischer Führung und Beeinflussung in eben dieser Zeit beging, als Ehrenblatt in unserer Geschichte eingehen werden: diese „Haltungen und Handlungen“ seien kurz umrissen als:

            Mutiges Bekennen: wieviel Glaubensmut wurde von Millionen überzeugter Christen, auch evange-lischer Konfession, aufgebracht und geübt, auch unter schweren Gefahren und Nachteilen!

            Tapferes Dulden: was wurde gelitten in all diesen Jahren an körperlicher und seelischer Not, in der Heimat und draußen im Feld, an den Straßen der Flucht und Vertreibung, in den Lagern der Gefangenen: es sind millionenfache Kreuze, die, die mit Gott getragen (und dies war doch überwiegend der Fall), uns viel Gnade und Erbarmen erbrachten.

            Heroisches Sterben: Wer im Felde war, weiß etwas von der millionenfachen Todesnot unserer Gefal-lenen, aber auch von ihrer meist noch von daheim mitgegebenen Kraft, den Tod christlich zu bestehen. Aber im Höchstmaß übten ein heroisches, ja heiliges Sterben die Blutzeugen, die unter Hitlers Terror in den Tod gingen.

            Liebendes Geben und Helfen: im Feld und daheim, im und nach dem Krieg wurde bewundernswert und verborgen echte christliche Nächstenliebe geübt (neben gewiss viel Egoismus), um bittere Not zu lindern.

Großmütiges Vergeben: es sei hier nur erwähnt das von Millionen Heimatvertriebener innerlich voll-zogene Verzeihen der an ihnen begangenen Heimatberaubung!

 

7)      Abschließend für die ganze unter 5) ab behandelte Periode von 1915 bis ca. 1950, ja zurück bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts, darf noch als größtes Geschenk des Hlst. Herzens Jesu die große Zahl von Heiligen aus Deutschland bezeichnet werden! Auch wenn sie noch meist im 19. Jahrhundert geboren waren, so fällt doch der Großteil ihres Lebens und Wirkens und ihr heiligmäßiger Tod ins 20. Jahrhundert:

 

Es seien nur einige Namen genannt von

heiligmäßigen Bischöfen: Kardinal Galen (+1945) und der mutige Bekennerbischof Sproll, der am meisten von allen deutschen Bischöfen litt (in Verbannung von 1938 bis 1945) und am Herz-Jesu-Freitag, 4.3.1949, starb;

heiligmäßigen Priestern: P. Eberschweiler, P. Rupert Mayer, P. Victrizius Weiss, Abbé Stock, P. Kentenich, der Gründer von Schönstatt!

Dazu wären Märtyrer-Priester zu nennen: P. Delp, P. Franz Reinisch, P. Albert Eise, die Kapläne von Lübeck, der Una-Sancta-Herold Max Metzger und noch viele andere.

Heiligmäßige Laien: der am 23.1.1945 hingerichtete Staatspräsident von Württemberg: Eugen Bolz, die Passionsmystikerin Therese Neumann, die Dulderin Anna Schäffer, der Ministrant Bernhard Lehner u.a.

Heiligmäßige Ordensschwestern: Schw. Blandine Merten, Schw. Fidelis (Weiß), Schw. Bonaventura Fink, Ulrika Nisch (starb zwar schon 1913) u.a.

Noch ein ganz großer „Apostel des Herzens Jesu“, wie ihn sein Biograph P. Baumann nennt, war der zwar in Brasilien 1947 verstorbene, aber aus dem Frankenland stammende Jesuit P. Johann Baptist Reus!

 

Herz Jesu, Du Wonne aller Heiligen“, lass all die wahrhaft Großen unseres Volkes und Lieblinge Deines Herzens, die Du uns schenktest, nun mächtige Fürsprecher für Deutschland werden, dass es wieder Kronland Deines Herzens werde!

 

 

II.               Das Zweite, was Deutschland dem Heiligsten Herzen Jesu schuldet, ist SÜHNE !

 

Nach dem breiter ausgeführten Dankesthema  -  immerhin ist Danken eine der schönsten, aber auch seltensten Tugenden!  -  muss nun, wenigstens in großen Zügen, die immer noch bestehende Notwendigkeit und Pflicht aufge-zeigt werden, für Deutschlands schwere Schuld zu büßen und zu sühnen. Gleich zu Anfang sei gesagt, dass es hier keine „Verjährung“ gibt, zumal vielen Christen und Katholiken in Deutschland es immer noch nicht oder zu wenig zum Bewusstsein kam, dass sie zwar nicht im Sinne einer Kollektivschuld, aber doch als Glieder der von Gott ge-schaffenen Volksfamilie (deren positive Erbgüter sie ja auch gerne annahmen!) mitzutragen haben an Schuld und Last, die sich unser Volk vor Gott, vor den Völkern und der ganzen Christenheit aufgeladen hat,  -  und dies schon

seit Jahrhunderten!

 

Als Grundbekenntnis und Grundforderung, dass auch ein Volk als solches und wir mit ihm auch noch für alte, ungetilgte Schuld zu büßen und zu sühnen haben, steht hier nochmals das Wort der deutschen Bischöfe zum Herz-Jesu-Weihetag 1915:

„Langjährige Schuld sühnt nicht kurze Reue … Eines ganzen Volkes Schuld sühnt auch nur des ganzen Vol-kes ernste Buße und gründliche Umkehr“!

 

In geschichtlicher Abfolge seien Stationen deutscher Schuld aufgeführt:

1.      Deutschland schuldet dem Hlst. Herzen Jesu Sühne als Urheberland der Reformation:

Zwar liegt die Hauptschuld für dieses wohl schwerste Ereignis in der Kirchengeschichte bei der Gesamtkirche mit dem Papst an der Spitze infolge der vielen Missverständnisse und Ärgernisse am Vorabend der Reformation, aber doch hat die deutsche Christenheit mit dem die Lawine ins Rollen bringenden Martin Luther einen sehr gewichtigen Anteil am Gang der Dinge und an all den schweren Folgen, die wie in einer Kettenreaktion bis heute auf Kirche und Welt lasten. Da ist es aber auch besonders der ganz persönlich dem Herzen Jesu wehtuende Schlag, dass  Er, der eu-charistische Heiland, mit der Reformation aus zehntausenden von Tabernakeln und Sakramentshäuschen von Deutsch-land bis hinauf nach Island vertrieben wurde! Im Unterschied von der Spaltung 1054 mit dem Schisma der Ostkirche dehnte sich die deutsche Glaubensspaltung über die mitinfizierten Länder auf die ganze Welt aus! Die Ausbreitung des Christentums selber erfuhr eine radikale Drosselung, weil nach dem Wort Jesu der Glaube an Ihn von der Einheit seiner Jünger abhängt! Hunderten von Millionen evangelischen Christen raubte die Reformation gewaltige Gnaden-kräfte!

Ganz besonders tragisch ist auch die vom protestantischen Deutschland aus verschuldete Entfremdung der Nichtkatholiken gegenüber Maria, die doch unter dem Kreuz aller Christen Mutter wurde. Zum Schmerz der Mutter, deren göttlicher Sohn das der Mutter angetane Unrecht mitempfindet, kommt der unabsehbare Verlust und Schaden

in den Seelen ihrer Kinder!

 

2.      Deutschland schuldet dem Hlst. Herzen Jesu Sühne als Ursprungsland des Marxismus

Diese Tatsache bescheinigte sogar Chrustschow unserem Bundeskanzler Adenauer, als dieser 1956 in Moskau (Befreiung von 10000 Gefangenen erreicht) von Chrustschow hören musste: „Was wollt ihr Deutschen eigentlich? Ihr seid ja selbst schuld am Kommunismus: Engels und Marx stammen ja aus Deutschland (Barmen und Trier). Wer die Suppe eingebrockt hat, soll sie auch auslöffeln!“

Nicht bloß die Idee des die ganze Welt infizierenden Marxismus mit seiner Gott-, Christus- und Jenseitsleug-nung stammt aus Deutschland, nein, dazu hat unser Volk das furchtbare Verbrechen auf sich geladen, Lenin 1917 nach Russland gebracht zu haben, um die furchtbarste aller Revolutionen zu entfachen, die unsägliches Leid über Russland und die ganze Welt gebracht hat, Schuld hat an Hunderten von Millionen Gemordeter! Dazu hat Deutsch-land mit dem von ihm begonnenen 2. Weltkrieg den größten Siegeszug des Kommunismus eingeleitet!

Was wurden so durch deutsche Mitschuld vom Kommunismus Millionen von Christen und Priestern gemor-det, gefoltert, Kirchen geschändet und geschlossen. Hierfür hat Deutschland dem Herzen Jesu mit Sühne zu leisten!

 

3.      Deutschland schuldet dem Hlst. Herzen Jesu Sühne als das Land des Nationalsozialismus

Hitler, zwar aus Österreich gebürtig, wurde vom Deutschen Volk gewählt: das nimmt uns niemand ab! Was wurde außer dem von Deutschland begonnenen 2. Weltkrieg und seinen von uns mitzuverantwortenden Folgen Schuld begangen in diesen 12 Jahren des Dritten Reiches! Lassen wir nochmals Erzbischof Gröber von Freiburg zu Wort kommen im schon erwähnten Hirtenbrief vom 31. Mai 1945, der uns nur einen Ausschnitt berichtet von dem, was an deutschen und nichtdeutschen Menschen geschah:

 

„Es waren deutsche Männer, Priester und Offiziere, vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt am laufenden Band und zumeist nur deswegen gefoltert und auf die schauderhafteste Weise stranguliert, weil sie der strategisch be-gründeten Meinung waren, dem deutschen Reich und Volk sei durch einen rechtzeitigen Friedensschluss besser ge-dient als durch die fanatische Fortsetzung des Krieges.

Es waren Menschen fremder Rasse, die man ohne jegliche Schuld, nur weil kein arisches Blut in ihnen pul-sierte, zur Fahrt nach dem Osten in Viehwagen verfrachtete und hinmordete nach Tausenden und Abertausenden. (Gröber wusste noch nicht die Zahl von 6 Millionen gemordeter Juden!)

Es waren arme Polen, die, zum Arbeitsdienst nach Deutschland verschleppt, sich oft nur eines kleinen Verge-hens schuldig gemacht hatten, um dann die Strafe des Aufgehängtwerdens zu erleiden. Wo blieb alle Gerechtigkeit, wenn ein Diebstahl aus wirklicher Not schon genügte, um sein Leben zu verwirken! Und war es nicht der Grausamkeit Spitze, dass man zu diesen Hinrichtungen der Polen sogar von ringsumher eine schaulustige Menge aufbot! Die un-glücklichen Opfer verscharrte man dann auf dem Friedhof außerhalb der Reihe … Das alles gestattete der neue Glau-be, die germanische Härte, die teuflische Rachsucht und der sture Fanatismus, die alle mit dem Leben der andern spielten, als wären sie gottähnliche, absolute Herren.

 

Sind wir da nicht (fährt Gröber fort) stellvertretend verpflichtet, diese Untaten an fremdem Blute zu sühnen und für jene zu beten, die man nach Tausenden und Tausenden aus dem Leben schaffte, um damit verhasste Völker entweder ganz auszurotten oder doch für alle Zukunft zu schwächen?

 

Aber auch das eigene deutsche, unschuldige Blut wurde nicht geschont. Man nannte es „Euthanasie“, zu deutsch „Sterbehilfe“, wenn man, sich wiederum als Herr des Lebens fühlend, alle jene zu erfassen und umzubringen versuchte, die von Geburt an oder durch Krankheit und Unglücksfälle oder durch Kopfschüsse im letzten Weltkrieg geistig nicht ganz als vollwertig erschienen. Dabei log man den Angehörigen vor, ihr Verwandter sei an einer Lungen-entzündung oder an einer anderen Krankheit „leider“ gestorben.

Die Irrenanstalten mit vielen Hunderten von Insassen wurden so landauf, landab geleert, die Bewahrungshei-me, in denen die bewundernswerte Opferliebe der Barmherzigen Schwestern zahlreiche Kinder körperlich pflegte und zu geistiger Entwicklung mit offensichtlich gutem Erfolg brachte, wurden von Gestapoleuten mit großen Lastautos überfallen, in die man nun die armen Wesen trotz ihres Widerstrebens und jämmerlichen Weinens wie Tiere, die man zum Schlachthaus führt, mit Gewalt und unter Schlägen verstaute, um sie dann auf geheimnisvolle Weise in Grafen-eck oder sonstwo, sei es durch ein tödliches Gift oder durch den elektrischen Strom, ins Jenseits zu befördern. Meine Gegenvorstellungen waren umsonst.“

(Gröber berichtet dann von der „Sterbehilfe“ in Krankenhäusern, … in denen „gewissenlose Ärzte und Ärz-tinnen“ auch „Mütter von tapferen Kriegsteilnehmern unter dem Titel einer schlafbringenden oder schmerzstillenden Arznei eine todbringende Spritze verabreichten“!)

Erzbischof Gröber kennzeichnet weiter das NS-System:

„Ich übertreibe nicht, wenn ich sage: Nie hat der Zweck seit Menschengedenken das Mittel so geheiligt wie in den letzten 13 Jahren. Und noch nie wurde das natürliche, Einspruch erhebende Gewissen durch eingeimpfte Grundsätze so vergewaltigt wie wiederum in dieser Zeit.“ … (den „Segen dafür“ würden wir als „furchtbaren Fluch“ empfinden müssen!)

Gröber gibt auch einen Ausblick, was im Fall eines Sieges geschehen wäre: „Wäre der große Krieg mit dem deutschen Sieg gekrönt worden, dann hätte die deutsche Härte und der fanatische Hass sowie der leitende Grundsatz, dem Volke zulieb seien alle Mittel, auch die verwerflichen, erlaubt, sicher nicht minder unter uns Christen aufgeräumt … Uns bleibt nur die andere Pflicht aufbehalten, Gott für jene um Verzeihung zu bitten, die wie Kain Brudermord be-gingen …“

 

Während hier vor allem die Frevel gegen den Mitmenschen in der NS-Zeit beleuchtet wurden, müssen wir noch besonders die Verhöhnung und Bekämpfung der christlichen Religion und der Person Christi selber anführen:

Er wurde als „Judenbub“ beschimpft, das Kreuz vielfach geschändet (es blieben Gottesgerichte dafür nicht aus). Der Hass gegen das Priestertum zeigte sich besonders in Polen: es verlor ca. tausend Priester durch das NS-Mördersystem! So starb auch Maximilian Kolbe!

 

Dass man auch vor geweihten Ordensschwestern jüdischen Blutes nicht zurückscheute, zeigt die Ermordung von Edith Stein in Auschwitz. Von ihr soll das Wort, das sie noch vor ihrer Verhaftung zu Pater Hirschmann sagte, wie eine große Frage an uns deutsche Katholiken und Christen abschließend hier stehen:

            „Wer sühnt für das, was am jüdischen Volk im Namen des deutschen Volkes  geschieht?

            Wer wendet diese entsetzliche Schuld zum Segen für beide Völker?“

 

 

4.      Deutschland schuldet dem Hlst. Herzen Jesu Sühne für die schweren Sünden der Nachkriegszeit:

Nicht leicht zu glauben war an einen solch unerhörten wirtschaftlichen Aufstieg, aber auch an einen solch un-erhörten sittlichen und religiösen Abstieg in der 1945 beginnenden Nachkriegszeit!

Dass unser Volk nach Auschwitz mit seinem millionenfachen Judenmord in wenigen Jahrzehnten einen ähn-lichen Holocaust mit seinen eigenen Kindern  -  jetzt täglich 1000 Abtreibungen!  -  beginnen werde, hätte 1945 nie-mand für möglich gehalten!

Und dazu, was noch ärger ist, der seelische Mord an Millionen junger Menschen durch eine teuflische Mas-senverführung in einem Pansexualismus sondergleichen: wir sind ein Sodoma geworden! Was mag nach dem Wort Jesu gegen das Ärgernis für eine furchtbare Strafe auf unser Volk kommen, dem bald nichts mehr heilig ist?

 

Hinter der Sittenlosigkeit steht die Gottlosigkeit und totale Verunchristlichung, die schon weiteste Kreise un-seres westdeutschen Volkes ergriffen hat. Ein wahnsinniger Diesseitskult zeigt die tiefgehende marxistisch-liberale Verseuchung unseres Volkes,  -  das die „Zeit seiner Heimsuchung nicht erkannt“ hat!

Ob es da zu sühnen gibt?

 

 

5.      Auch die Kath. Kirche Deutschlands schuldet dem Hlst. Herzen Jesu Sühne:

Dies schon allein dadurch, dass sie die Herz-Jesu-Weihe vom Kriegsjahr 1915, von allen deutschen Diözesen und Pfarreien so feierlich vollzogen und auch tiefernst gemeint, geradezu in Vergessenheit geraten ließ, anstatt diese Weihe im gläubigen Gottesvolk als kostbares Vermächtnis für immer zu pflegen, wie es etwa vom Tiroler Volk bis heute geschieht (siehe oben).

Gilt doch auch von einer solchen Weihe als einem echten Gottesbündnis der klassische Grundsatz: „Pacta sunt servanda  -  Verträge sind einzuhalten!“ Dies gilt auch von einem durch eine frühere Generation und Hierarchie einge-gangenen Weihevertrag, wie auch im staatlichen Leben eine Regierung die von einer Vorgängerin unterzeichneten Verträge mit anderen Staaten einzuhalten verpflichtet ist. Wie sehr trifft die Warnung Gottes an Israel auch auf das katholische Gottesvolk Deutschlands hinsichtlich seiner Herz-Jesu-Weihe-Verpflichtung zu: „Hüte dich, den Bund zu vergessen, den der Herr, dein Gott, mit dir geschlossen hat!“ (Brevier-Antiphon, im Stundenbuch I, S. 580, gerade bei der Vorbereitung dieses Manuskriptes dem Verfasser erschreckend aufgefallen).

 

Während diese Schuld echter Untreue gegenüber dem Heiligsten Herzen Jesu wohl schon bis in die zwanziger Jahre zurückreicht, so muss traurigerweise noch von einer anderen argen Schuld des katholischen Deutschlands in der zweiten Nachkriegszeit gesprochen werden. Auch hier ist das erschütternde Wort von Paul VI. Wirklichkeit gewor-den: „Der Rauch Satans ist in die Kirche eingedrungen“!

Tausende deutscher Priester haben zum Ärgernis der Gläubigen ihren hl. Priesterberuf preisgegeben. In der Kirche verbliebene Priester und Professoren verkünden und lehren oft nicht mehr den Glauben der Kirche und ver-fälschen christliche Moralgesetze! Der Eucharistische Glaube ist unterhöhlt  -  die Realpräsenz Jesu wird von Vielen nicht mehr voll oder gar nicht mehr geglaubt! Die hl. Kommunion wird wohl in einem unfasslichen Ausmaß unwürdig empfangen  -  da Todsünden meist nicht mehr gebeichtet werden, ist doch das Bußsakrament nach einem Wort von Kardinal Höffner zum „verlorenen Sakrament“ geworden!

 

Wie muss dies alles in besonderem Maß das Gericht Gottes herausfordern: das „Gericht beginnt am Hause des Herrn!“ Und wie wurde und wird noch die Ehre und Verehrung Mariens heruntergesetzt! Bischof Tenhumberg + von Münster gibt selber in seinem Testament die Schuld zu, dass wir in Deutschland in den letzten Jahren und Jahrzehnten der Mutter des Herrn nicht mehr die gebührende Ehre und Liebe zukommen ließen!

 

Hier ist noch einmal Sühne verlangt, fast noch mehr als für das, was im weltlichen Raum geschieht! Vielleicht verstehen wir da das Wort, das P. Kentenich prophetisch gegen Ende seines Lebens sprach: „Ohne tiefgreifende Heimsuchung kann sich die Kirche nicht mehr erneuern“!  Darum:

 

 

III.           Das Deutsche Volk und die Kirche Deutschlands, kurz: ganz Deutschland schuldet dem hlst. Herzen Jesu   TREUE,   -  neue Treue !

 

Rudolf Graber schrieb 1962 das Buch: „Herz-Jesu-Verehrung in der Krise“  -  das trifft wahrhaftig in Deutsch-land bis heute zu! Aber wir müssen aus der Krise heraus und dem Ruf des Himmels und der Päpste folgen: was sagen doch alle Päpste der letzten 100 Jahre Großes und entscheidend Wichtiges über die Herz-Jesu-Verehrung aus! So Leo XIII.: „Auf das Herz des Erlösers müssen wir all unsere Hoffnung setzen; von ihm müssen wir das Heil der Mensch-heit erbitten und erwarten“ (bei Graber, Herz-Jesu-Verehrung in der Krise, S. 7) und von Pius X., dem Heiligen, das Wort: „Die Herz-Jesu-Verehrung ist das einzige der leidenden Menschheit geschenkte Heilmittel (unicum salutis per-fugium laboranti humano generi datum!)“  -  (Graber, ebda. S. 7). Die große Herz-Jesu-Enzyklika „Haurietis aquas“ von Pius XII (1956) sollte zur Wegweisung für die Kirche in Deutschland werden und sie zu neuer Treue dem Christ-königs-Herzen Jesu gegenüber anleiten!

 

Diese „neue Treue“ müsste im ganzen kirchlichen Leben Deutschlands wieder unter dem Wehen des Heiligen Geistes aus den Quellgründen des Glaubens und guter, ja bester Tradition sichtbar und spürbar werden. Der gegebene Anlass für eine oberhirtliche Initiative, ja „Initialzündung“ wäre das 70. Jubiläumsjahr der Deutschland-Weihe an das Hlst. Herz Jesu, das wir in diesem Jahr feiern (s.o.). Konkrete Wegweisungen, aber auch verpflichtende Anweisungen (z.B. dass der Herz-Jesu-Freitag wieder in allen Kirchen zu halten wäre: die Gläubigen wären dankbar!) wäre am Platz. Ganz von selber würde es sich nahelegen, den kommenden 40. Gedenktag des Kriegsendes vom 8. Mai 1945 in das Anliegen einer recht verstandenen Herz-Jesu-Verehrung hineinzunehmen, ihn mit der in diesem Gedächtnis lie-genden Pflicht von Dank und Sühne (gewiss auch Trauer) zu verbinden! Zum notwendigen Ausblick an diesem für uns Deutsche so schicksalhaften Tag käme aber auch das Vertrauen, das den Abschluss dieser Skizze bilden soll:

 

 

IV.           Deutschland schuldet dem Hlst. Herzen Jesu auch   VERTRAUEN !

 

Wenn heute so sehr, wie man oft hört, die Angst in Deutschland umgeht, dann wäre es schon deswegen aller-nötigst, gegen diese Angst die beste Medizin zu reichen, das Vertrauen auf Gott und hier konkret: auf die grenzenlose Erlöserliebe Christi, die ein Ausfluss der Liebe Gottes ist! Ihr Sitz: das Hlst. Herz Jeus! Die „Zeichen der Zeit“, die uns der Herr zu beachten gebietet, lassen vermuten, dass wir großen, aber auch schweren Ereignissen entgegengehen. Immer mehr erwarten tiefersehende und gläubige Menschen eine große Zeitenwende mit der Befreiung des Ostens und der so notwendigen Reinigung des Westens. Beides zu durchstehen und mit Gottes Hilfe gläubig zu überstehen, stellt große Anforderungen an die Hirten und Seelsorger im Deutschen Volk. Warum darf da nicht auch ein außeror-dentlicher Trost und hoffnungsvoller Ausblick unserem Volk gegeben werden, wie er von Fatima aus glaubwürdig angeboten wird:

Im Besitz von Hwst. Altbischof Dr. Rudolf Graber ist ein Brief, den er bei einer Feier im Jahre 1976 bekannt gab. Der Brief stammt von der noch lebenden Seherin Luzia von Fatima und ist gerichtet an Prälat Fischer  -  Bam-berg mit Datum vom 19. März 1940. Darin heißt es u.a.: „In meinem armen Gebet vergesse ich Deutschland nicht. Es wird noch zur Herde des Herrn zurückkehren. Dieser Augenblick nähert sich sehr, sehr langsam, doch er wird zum Schluss kommen. Und die heiligsten Herzen Jesu und Mariens werden dort in vollem Glanz herrschen“.  -  Ist dieser Tag nach 45 Jahren nahe? Gott weiß es und führt ihn herbei: darum dürfen wir auch mit dem Blick auf die Zukunft Deutschlands im Vertrauen auf das Hlst. Herz Jesu sagen:

 

„ E R     M A C H T     A L L E S     W O H L „   (Mk 7,37)