Festpredigt von Bischof Dr. Rudolf Graber:

70 Jahre Herz-Jesu-Weihe Deutschlands

Münster St. Martin in Bonn, 15. Juni 1985

 

Ich muss unserer Predigt eine Vorbemerkung vorausschicken. Eigentlich sollte an Stelle der Predigt das Hirtenwort der deutschen Bischöfe aus dem Jahr 1915 verlesen werden, in dem die Weihe Deutschlands an das Herz Jesu ausgesprochen wird. Jetzt, wo 70 Jahre nach dieser Weihe vergangen sind, wurde verschiedentlich auf dieses gemeinsame Hirtenwort aufmerksam gemacht in lobenden Ausdrücken, wie z.B. dass man diese Worte vor 70 Jahren nur mit „großer Erschütterung lesen kann“, und dass man heute „bewegt und ergriffen ist von dem großen Ernst, der bis in die Tiefen der Profan-, Kirchen- und Heilsgeschichte greifenden Einsichten, in die Sünden, Fehlentwicklungen und Ver-säumnisse, deren sich hier Bischöfe und die ganze deutsche Kirche mit ihrem Volk anklagen“ (1).

Trotzdem müssen wir nach einigen Worten suchen, um dieses Ereignis von damals zu würdigen, und zwar auch aus dem Grund, weil heute auf weite Strecken hin sowohl der Marienverehrung als auch der Herz-Jesu-Vereh-rung der Abschied gegeben wurde, obwohl beide Andachtsformen mit dem Kreuz aufs Engste verbunden sind und

das Wesen der Kirche erst in seinem vollen Umfang erscheinen lassen. Und damit sind wir beim ersten Punkt unserer Überlegung angelangt, beim Ursprung der Herz-Jesu-Verehrung.

 

In diese Gedanken nehmen wir auch die Marienverehrung herein, da wir heute das Fest vom Unbefleckten Herzen Mariae feiern und das Herz der Gottesmutter mit dem ihres Sohnes „eng und unauflöslich“ verbunden ist. Es wird auch zu wenig beachtet, wie nahe Maria und Herz Jesu am Kreuz, dem Zeichen der Erlösung, beieinander stehen. Sterbend hat Jesus seinen Jünger an Maria verwiesen, als er sprach: „Siehe da deine Mutter „ (Joh 19,26), und der Soldat durchbohrte die Seite Jesu, so dass Blut und Wasser herausfloss (Joh 19,34). Beide Ereignisse lassen uns das tiefste Wesen der Kirche schauen, die aus Blut und Wasser des Herzens Jesu der Mutter Jesu anvertraut wird; denn Johannes ist hier der Repräsentant der ganzen Menschheit.

Es wäre gut, wenn wir neben der Überantwortung an Petrus, dem obersten Hirten der Kirche, nicht die mütter-liche Funktion Mariens in und für die Kirche übersehen würden. Freilich, diese Zusammenhänge wurden lange Zeit noch nicht beachtet und es hat ein Jahrtausend gedauert, bis sich das Vermächtnis an Maria und der Lanzenstich des Soldaten zu eigenen Andachtsformen entwickelten. Nicht nur dogmatische Wahrheiten, sondern auch das Frömmig-keitsleben der Kirche kennen eine vom Heiligen Geist geleitete Entwicklung.

 

Was bedeutet das für uns? Zunächst einmal, dass mit Maria, Herz Jesu und Eucharistie als Erneuerung des Kreuzestodes all das umschrieben ist, was wir als das tiefste Mysterium des Glaubens und der Liebe bezeichnen können, als die innere Seite der Kirche, ihr eigentliches Leben in Mystik und Hingabe, also all das, auf das es an-kommt, das wir leider heute an die Peripherie rücken, weil uns nur das Äußere interessiert, die Ämter in der Kirche, ihre karitativen und missionarischen Maßnahmen, ihre katechetischen Aufgaben und ihre ganze Verkündigung, vom Mysterium nur die äußere Umhüllung.

Papst Leo XIII. hat in seiner Enzyklika zur Weltweihe an das heiligste Herz des Erlösers vom 25. Mai 1899 die Kreuzesvision Kaiser Konstantins auf das andere bedeutungsvolle und göttliche Zeichen bezogen, auf „das heilige Herz Jesu, vom Kreuze gekrönt, von glänzendem Licht im Flammenkranz leuchtend“ und hat die vielsagenden Worte hinzugefügt: „Darauf müssen alle ihre Hoffnung setzen, von ihm ist das Heil der Menschen zu erflehen und zu erhof-fen“. Dieses Wort gilt auch heute noch nach 85 Jahren. Haben wir, hat die Welt es beachtet?

 

Das Konzil hat diese Einstellung auf die Innerlichkeit klar und unmissverständlich ausgesprochen, wenn es sagt: „Auch die besten Anpassungen an die Erfordernisse der Zeit bleiben ohne Erfolg, wenn sie nicht durch eine geistliche Erneuerung beseelt werden; dieser gebührt darum auch in der Förderung äußerer Werke immer der Vor-rang“ (2).

Hier muss ich eine kurze Zwischenbemerkung einschieben. Ist dieses wichtige Prinzip immer eingehalten worden? Haben wir uns nicht mit Äußerlichkeiten eingelassen und beschäftigt? Das Konzil sprach von der geistlichen Erneuerung (renovatio spiritualis). Wo ist sie? Ist damit nicht das aufgenommen, was Papst Paul VI. in seiner Homilie zum Herz-Jesu-Fest 1975, also vor genau 20 Jahren das „innere Geschehen“ genannt hat, also eben das, was wir im Kreuz vereint sahen?

 

 

Aber nun müssen wir uns allein der Herz-Jesu-Verehrung zuwenden und seiner Geschichte in unseren Landen. Wir sind ja in der glücklichen Lage ein klassisches Werk darüber zu besitzen, nämlich das Buch von Karl Richstätter, „Die Herz-Jesu-Verehrung des deutschen Mittelalters“, veröffentlicht in München 1924, dem ich folgendes entnehme: zunächst eine überraschende Feststellung. Kein Land Europas kann im Mittelalter mit so vielen Hinweisen auf das Herz-Jesu aufwarten wie das deutsche Mittelalter.

Das erfüllt uns mit Freude und mit Trauer. Mit Trauer deshalb, weil das alles fast ganz untergegangen ist. Wer kümmert sich heute noch um den hl. Hermann Josef, der das älteste lateinische Herz-Jesu-Lied um 1200 gedichtet hat, um Meister Eckhart, um Heinrich Seuse (+1366), um die heiligen Frauen Gertrud die Große (1303), Mechthild (1298) und eine Reihe anderer, die damals die wahren und echten Feministinnen darstellten?

 

Und diese Frömmigkeit verblieb nicht im Dämmerschein der Kirchen und Klosterzellen, sondern drang ein ins Volk. Zeugnis dafür ist das sog. Speerfest, das jener Lanze galt, mit der die Seite Jesu durchbohrt wurde. Ein größeres Stück dieser Lanze war in jenen Speer eingeschlossen, die mit Krone, Zepter und Reichsapfel zu den großen Heiligtü-mern zählte, die in Nürnberg jährlich feierlich dem Volk gezeigt wurden, wobei die Worte gesprochen wurden: „Das heilig Eisen des Speers, das geöffnet hat die Seiten und verwundet das süß Herz unseres Herrn Jesu Christi“.

Auf Bitten Kaiser Karls IV. hat Papst Innozenz VI. dieses Fest der heiligen Lanze für das Reich auf den zwei-ten Freitag nach Ostern gelegt. Damit erhält die mittelalterliche Herz-Jesu-Verehrung eine religionspolitische Bedeu-tung, während sie heute an den Rand des Religiösen gerückt ist. Wäre das nicht ein Fingerzeig für heute, wo man fast pausenlos über die modernen Waffen diskutiert, aber niemand fällt es ein, diese ganze Frage einmal auf einer höheren Ebene zu stellen und von Gott aus zu beleuchten. Aber das ist eine Utopie, wir haben ja auch keine nationalen Heilig-tümer mehr, um die das Volk und vor allem die Jugend sich scharen könnte. Alles ist entsakralisiert und das Fest „de armis Christi“, über die Waffen Christi, ist nur mehr etwas für den Historiker. Und doch wie aktuell wäre es, wenn man all die brennenden Gegenwartsprobleme vom Evangelium aus behandeln würde!

 

Noch ein Ereignis aus der Vergangenheit muss hier erwähnt werden, weil es auch der Vergessenheit anheim-gefallen ist. Der zweite Apostel der Deutschen, der hl. Petrus Canisius, auch mehr oder weniger vergessen, hatte 1949 in der Peterskirche zu Rom ein seltsames Erlebnis, über das er in seinem Testament berichtet. Er stand damals vor sei-ner Reise nach Deutschland, die ihm der hl. Ignatius aufgetragen hatte, um der Reformation Einhalt zu gebieten.

Da erschien dem 28 Jahre alten Ordensmann Christus in sichtbarer Gestalt und zeigte ihm sein geöffnetes hei-ligstes Herz. Und Canisius schreibt darüber: „Da hast du mir, o Herr, in deiner heiligsten Brust dein Herz geöffnet, das ich nahe vor mir schaute. Du hießest mich aus deinem Borne trinken. Ich sollte Wasser des Heiles aus deinen Quellen schöpfen. Da empfand ich ein heißes Verlangen, es möchten sich daraus Ströme von Glaube, Hoffnung und Liebe in mich ergießen. Ich dürstete nach Armut, Keuschheit und Gehorsam. Ich waget es, an dein hochheiliges Herz heranzu-treten und meinen Durst aus ihm zu stillen. Daraufhin versprachst du mir ein Gewand, das meine nackte Seele bede-cken sollte. Es bestand aus drei Stücken: Friede, Liebe und Beharrlichkeit“. Nachher vernahm er mehrere Male die Worte: Ecce, ego mitto vos: „Siehe, ich sende euch! Gehet und predigt das Evangelium aller Kreatur!“

 

Auch zwei Tage vorher schon, als er von einer Audienz bei Papst Paul III., der ihm seinen Segen für seine Sendung nach Deutschland gegeben hatte, zurückkehrte, waren ihm besondere Gnaden zuteil geworden, wie er in seinem „Testament“ berichtet: „Da gefiel es deiner unendlichen Güte, o ewiger Hoherpriester, dass ich großen Trost und die Gegenwart deiner Gnade empfand. Auch die heiligen Apostel segneten und bestätigten meine Sendung nach Deutschland. Es kam mir vor, als ob sie mir wie einem Apostel Deutschlands ihr Wohlwollen zuzuwenden versprä-chen. Du, o Herr, weißt es, wie sehr und wie oft du mir an jenem Tage Deutschland empfohlen hast, für welches ich zu leben und zu sterben verlangte. Und so wollte ich zusammenarbeiten mit dem Engel Deutschlands“ (dem heiligen Michael).

 

Mit einem Herzen voll Liebe, das sich entzündet an der Liebesglut des göttlichen Herzens, reiste Canisius

im September 1549 nach Deutschland. Von wenigen Mitbrüdern unterstützt, begann er seine apostolische Arbeit.

Und der Erfolg“ (3) ?.

 

Daran sollten wir denken, wenn wir in Rom die Peterskirche besuchen. St. Peter wurde nicht nur durch die Ablassgeschichte der Anlass zu Luthers Auftreten, sondern durch die Vision des hl. Petrus Canisius auch der Anlass zur großen Gegenbewegung, zur Rettung des noch katholischen Deutschlands. Aber das darf man heute im Zeitalter des Ökumenismus nicht mehr sagen.

 

Doch nun nähern wir uns dem Höhepunkt, der Weltweihe an das göttliche Herz-Jesu, die Papst Leo XIII. am 11. Juni 1899 vorgenommen hat. Sie wurde vorbereitet durch eine deutsche Ordensfrau, der seligen Maria von Droste zu Vischering, die vor zehn Jahren, am 1. November 1975 seliggesprochen wurde. Es dauert aber immerhin noch 15 Jahre, bis diese Weltweihe von den deutschen Bischöfen für unser Vaterland aufgegriffen wurde, und dies ist ja der Grund für unsere heutige Feier. Was uns in dem allgemeinen Hirtenschreiben der Bischöfe vom 3. Adventssonntag 1914 besonders auffällt, ist die schonungslose Offenheit und Klarheit und dann der Gedanke der Buße und Sühne.

 

Schon öfter habe ich darauf hingewiesen, wie päpstliche Enzykliken nicht bloß gegenwartsbezogen sind, son-dern auch zukunftsweisend sind. Das möchte man auch von diesem Hirtenwort vor 70 Jahren sagen. Wie dort die Zeit geschildert wird, trifft haarscharf auch auf unsere Zeit zu. Da ist die Rede vom Niedergang des religiösen und sittlich-en Lebens, wie sich jene Laster, die am Mark eines Volkes zehren, im bedenklichen Grade auch in unser Volk einge-schleppt, dass auch bei uns die Ehe entweiht und um ihren Kindersegen gebracht wurde  -  unsere Schuld, unsere große Schuld. Sodann erwähnen die Bischöfe die schmachvolle Behandlung, Entwertung, Verhöhnung der Religion, die wir uns gefallen lassen in unserer Schwäche und Feigheit. Das ist unsere Schuld, unsere große Schuld.

 

Dazu kommt unsere Nachlässigkeit im Dienste Gottes, unsere Lauheit und Halbheit, so viele Lästerung und Leugnung der ewigen Wahrheit, so schändliche Übertretung der ewigen Gebote Gottes, so viele Verachtung der Gna-de, soviel Undank gegen die unendliche Erlöserliebe des Heilandes, soviel Schädigung des Reiches Gottes“ Das sind deutliche Worte, die wir ruhig auf die heutige Zeit anwenden können. Man braucht nur das zu lesen, was die Exilrus-sin Tatjana Goritschewa über den Westen gesagt hat. Was sie bei uns erlebt hat, bezeichnet sie als Hölle (4).

 

Das Zweite, was uns an diesem bischöflichen Schreiben auffällt, ist die starke Betonung von Buße und Sühne. Und hier steht das ernste Wort: „Wehe dem Volk, das nicht einmal mehr dieser furchtbare Zuchtmeister (der Krieg) zur Buße bringen kann; es ist reif für den Untergang“.

Ich habe kürzlich (am 28. Mai) an einem großen Wallfahrtsort (Mariazell) davon gesprochen, dass der dritte Weltkrieg bereits im vollen Gange ist, in der Vernichtung ungeborenen Lebens. Die Zahlen hier übertreffen die Toten des 2. Weltkrieges. Aber Buße und Sühne stehen nicht mehr im Lexikon des Modernismus, wie das Papst Pius XI. in einem Rundschreiben vom 3. Mai 1932 feststellte: „Gedanke und Name von Sühne und Buße haben bei vielen größ-tenteils die Kraft verloren.“

 

Dabei hat die Kirche die Weltweihe Leos XIII. an das Herz-Jesu 25 Jahre später noch verstärkt und untermau-ert durch den Christkönigsgedanken. In der Einladung zu dieser Jubiläumsfeier ist darauf hingewiesen worden, so dass wir zugleich die 60-Jahrfeier der Christkönigsidee begehen können. Die Jugend hat damals begeistert diese Idee auf-gegriffen, aber wie bald haben wir die Worte der Christkönigsenzyklika vergessen von der  „Gleichgültigkeit und Furchtsamkeit der Guten“ und über das andere Wort des Papstes haben wir hinweggelesen: „Die menschliche Gesell-schaft ist erschüttert und treibt dem Abgrund zu“.

Bald öffnete sich dieser Abgrund. In letzter Stunde versuchte der Papst den Völkern die Augen zu öffnen in dem Rundschreiben über Gebete und Bußwerke zur Hilfe der Menschheit (5), wo wir die Gedanken unseres deutschen Hirtenwortes über die dem Herz-Jesu geschuldete Sühne wiederfinden.

Ich bedauere zutiefst, dass man all diese Hirtenworte links liegen lässt und sie in der Lehrverkündigung nicht auswertet. Wie wird es uns hier im Gerichte Gottes ergehen? Es ist begrüßenswert, dass im Confiteor der neuen Messe nun auch die Sünden der Unterlassung genannt werden. Damals schon, also 1932, hat der Papst mit dem Schwinden des Gottesglaubens auch die Verdunkelung des Begriffs von der Erbsünde beklagt, damals schon! Aber zurück zur Sühne.

 

Da meint man immer, wenn man die zehn Gebote Gottes hält, ist man so recht und schlecht ein guter Christ und man vergisst, dass es auch eine Pflicht zur Sühne gibt. Darüber gab uns Papst Pius XI. Aufschluss in seinem Rundschreiben über die dem heiligsten Herzen Jesu allgemein schuldige Sühne (6).

 

Ist es nicht erstaunlich, wieviele päpstliche Schreiben mit der Weltweihe in Verbindung stehen und die Herz-Jesu-Verehrung zum Ziele haben. Sicherlich taucht hier eine andere Frage auf. Wann wird einmal aus all diesen päpstlichen Verlautbarungen eine Aszetik des christlichen Lebens entstehen, die all das zusammenfasst, was zur Vollkommenheit hinführt?  -  Aber nochmals müssen wir den Sühnegedanken ins Auge fassen. Wir leben in einer Zeit, die von Verhöhnungen und Blasphemien gegen das Heiligste strotzt; ich denke da an gewisse Filme, die wahr-machen, was der Herr im Paradies vorausgesagt hat:

Die Schlange wird ihrer Ferse nachstellen. Fast scheint es, als ob der Widersacher Gottes zum Endkampf ansetzt und die Frau, die in die Wüste flieht, verfolgt. Hier gilt es, erst recht auf der Hut zu sein, protestierend ein-zugreifen und alle Feigheit abzulegen, von der die Bischöfe vor 70 Jahren gesprochen haben.

 

Wir haben im Verlauf dieser Predigt auf verschiedene Jahreszahlen hingewiesen. Wenig bekannt ist, dass vor genau hundert Jahren ein französischer Denker starb, Ernest Hello, der in seinem Buch „Worte Gottes“ die Weltge-schichte auf die vier Evangelisten aufteilt und meint, dass wir in der letzten Phase, in der des Apostels Johannes stehen. Johannes bedeutet die Liebe, die der Welt verloren gegangen ist; Johannes bedeutet die Apokalypse. Johannes bedeutet aber auch Maria, die vom sterbenden Jesus ihm übergeben wurde. Und so lautet die Botschaft des Johannes zweifach. Das Herz Jesu, an dem er beim Letzten Abendmahl ruhte, und Maria, die Mutter Jesu. Diese Gedanken Hellos haben in unseren Tagen eine Bestätigung erfahren, wenn der Physiker Einstein sagte: „Das Problem unserer Tage ist nicht jenes der Atomenergie, sondern das des menschlichen Herzens“.

 

An dieser Stelle müssten wir nun eigentlich zu einem neuen Gedankenansetzen: Das Atom und das Herz-Jesu. Aber es genügt, nur auf das eine hinzuweisen: Man mag die Energien des Atoms noch so hoch steigern und damit auch die Ängste der Menschheit, unendlich größer und unausschöpfbarer sind die Energien des göttlichen Herzens.

 

Auf dieses Herz hat sich der Vater im Himmel verpflichtet. In einer Herz-Jesu-Homilie vom 6. Juni 1975, also vor zehn Jahren zitierte Papst Paul VI. das Wort des Moses in seinem 5. Buch (Dt 7,7f): „Der Herr hat sich an euch gebunden“, d.h. der Herr hat sich durch seine Bundesschließung mit seinem Volk verbunden, und Moses gibt die Er-klärung: „Der Herr liebt euch“.  - 

Hier dürfen wir nicht mehr weiterreden. Dieses Wort ist zu groß, wir müssen niederknien. Und wenn wir jetzt die Weihe erneuern, dann soll dieses Wort vor unserer Seele stehen: „Der Herr hat sich an uns gebunden  -  er liebt uns“.

 

 

 

 

 

Anmerkungen:

(1)   „Der Sendbote des Herzens Jesu“, Innsbruck, Juni 1985, S. 134

(2)   Dekret über die zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens, Nr. 2e

(3)   Karl. Richstätter, Die Herz-Jesu-Verehrung des deutschen Mittelalters, Kösel-Pustet Regensburg 1924, S. 279f

(4)   Timor Domini 1985

(5)   „Caritas Christi urget nos“

(6)   „Miserentissimus Redemptor“ vom 8. Mai 1928